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Der Reisepaß : Roman / Bruno Frank
Entstehung
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müdet alle, der Ruhe zustrebend, aber nicht Einer in Hast. Kein Schrei und kein Stoß. Gesammelte, ver­ständige Mienen. Gelassen geschwinder, gleichmäßi­ger Schritt. Masse. Aber Masse mit Haltung, mit Würde. Ludwig war wieder und noch einmal herge­kommen. Der Anblick schien ihm so trostreich, dieses Volk so wenig geneigt, sich von Agitatoren mit schäumendem Maul in Haß und Tod hetzen zu lassen. Er machte es sich schwerlich selbst klar, aber es war London - Bridge abends um sechs, wohin er zurück­strebte.

Jedoch England war eine Festung, und ihr Festungsgraben das Meer. Steiger besaß keinen Paẞ.

Wahrscheinlich hätte die Möglichkeit bestanden, auch ihm hier in Brüssel oder in Paris ein falsches Papier zu besorgen. Aber was berechtigt gewesen war in Ludwigs Fall, höchst legitim als ein Mittel, den besudelten Machthabern in Deutschland ihr Opfer zu entreißen, das verbot sich hier gänzlich. Man betrat nicht ein freies Gastland mit Hilfe eines Betrugs.

Sein eigener, echter Paß war ihm von Prag her durch ,, Scheurer" nachgesandt worden, und er konn­te sich ausweisen. Aber Steiger würde das garnichts nützen vor den englischen Kontrolleuren.

Er glaubte sich zu erinneren, daß diese Beamten auf den Kanalbooten hin und zurückfuhren und zur Bequemlichkeit der Passagiere die Revision unter­wegs vornahmen. Man bestätigte das im Reise­bureau. Es kam also darauf an, einen solchen Mann

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