schöpfung. Am andern Morgen erfuhren sie erst, wie nahe die belgische Grenze schon sei. Es war eine gutmütige Grenze, wenig bewacht. Als sie Bahngleise erreichten, sahen sie eine erste Schranke in den brabantischen Farben, schwarz, gelb und rot. Und dann stiegen sie in einen Zug dieser Nebenstrecke.doH Das Bähnlein ratterte schleichend fort im grauen Wintertag. Nur eine ältere Frau in Trauer saß noch in der Ecke, die manchmal ihr Tuch an die Augen führte. Bald stieg sie aus. Steiger hatte sich auf einer der Holzbänke ausgestreckt. Sein linker Arm, der ohne Hand, hing von der Bank, steif wie ein nasses Seil, sonderbar leblos. Und da Ludwig ihm in's Gesicht blickte, sah er, daß sein Mund mit bläulichen Lippen offenstand und die Augen nicht ganz geschlossen erschienen. Dies war kein Schlaf, sondern wieder eine Ohnmacht aus Schwäche. Sie dauerte lang. Als sie in Libramont und dann noch einmal in Jemelle den Wagen zu wechseln hatten, brachte er den Freund nur mit Mühe über die Gleise. i
Am Brüsseler Nordbahnhof fragte er einen Gepäckträger nach einer Unterkunft.„ Nah gelegen. Und billig. Kann garnicht billig genug sein!" Der Mann führte sie ein paar hundert Schritt weit nach einer Querstraße der Rue du Progrès. Sie stützten Steiger von beiden Seiten. ,, C'est propre," versicherte der Träger ,,, et pas cher."
Billig mußte das ,, Hôtel Josaphat " ja wohl sein, aber von Sauberkeit war keine Rede. Ihr Zimmer, 246


