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Der Weg durch den kleinen Staat führte abwechselnd über kahle Hochflächen hin und durch Wälder. Sehr kalt war es nicht, aber immer bauschte der Höhenwind ihre dünnen Mäntel oder trieb ihnen Sprühregen in's Gesicht. Erst auf belgischem Gebiete würden sie die Bahn nehmen. Sie fürchteten jede Kontrolle: Steiger hatte ja keinen Paẞ. Er sei kräftig genug, ließ er tapfer vernehmen, um auch bis an's Meer zu marschieren. Ludwig verbarg Besorgnis und Zweifel. Beinahe schweigend zogen sie ihren beschwerlichen Weg. Manchmal ergriff Steiger im Hinschreiten Ludwigs Linke, und sie gingen auf eine Weile Hand in Hand.
Viele Wegweiser zeigten links hinunter zur Hauptstadt. Dort residierte die Großherzogin , die Ludwig nahe verwandt war, eine Braganza durch ihre Mutter. Sie hätte sich wohl gewundert, wäre er, so wie er war, in ihrem Vorzimmer erschienen. Seltsame Wanderung! Daß dies Wirklichkeit war, ließ sich kaum festhalten. Das Knarren der Ardennenbäume im Winterwind kam aus traumhaft entrückter Sphäre.
Übrigens hatten sie Glück. Als sie müde waren, nahm ein Automobilist sie mit durch den Abend, ein Lederfabrikant aus Wiltz , wie er sogleich mitteilte, wohlwollend und ein wenig betrunken vom Moselwein nach Abschluß eines guten Geschäfts. In einer Dachkammer fielen sie in den Schlaf der tiefen Er
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