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Der Reisepaß : Roman / Bruno Frank
Entstehung
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Einer, der ,, Kronprinz" hieß, sah billig genug aus. Aber auch hier wurde der dürftig anmutende Reisen­de eher zurückhaltend empfangen. Der Ton ver­änderte sich erst, und zwar zu fast bestürzter Erge­benheit, als man sein ausländisches Papier in Augen­schein nahm. Offenbar hatte sich der deutsche Na­tionalstolz bereits derart entwickelt, daß auch die be­scheidenste Ausländerexistenz ein Gegenstand unter­würfigen Neides war.

Es war noch keineswegs spät. Der Schlaf wollte nicht kommen. Ludwig schlug das Buch auf, mit dem er sich schon auf der Reise beschäftigt hatte. Es war eine einbändige Ausgabe von Gibbons ,, Decline and Fall", zweitausend Seiten auf dünnem Papier. Das Lesezeichen lag beim Kaiser Diocletian und seinen Christenverfolgungen. Aber bald entsank ihm der Band. Vor Gibbons klassisch klaren Bericht schoben sich wüste, stärkere Bilder. Anders als unter diesen Prokonsuln und Präfekten, milden Vollstreckern der kaiserlichen Edikte, ging es zu in den Gefangenen­lagern des Dritten Reiches . Was würde er morgen über das Schicksal seiner Gefährten in Erfahrung bringen!

Halb zehn war eine frühe Besuchszeit. Aber er ver­mochte seine Unruhe nicht länger zu bemeistern. Schon seit einer Stunde marschierte er auf der leeren, verschneiten Wartburg- Chaussee auf und ab.

Die Villa Zednitz, mit Türmchen und Giebelwerk in etwas irriger Gotik erbaut, lag inmitten eines ge­

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