den Waggon betraten, schlug ihm recht spürbar das Herz. Doch man behandelte den reisenden Ausländer mit betonter Zuvorkommenheit.
Es war Ludwig zu Mut, als wäre er lange fortgewesen. Mit entfremdeten Augen blickte er auf sein Vaterland. Die gehäuften Uniformen auf jedem Bahnsteig, das schreiende Hakenkreuztuch, das an den unmöglichsten Orten herumhing, es erschien ihm alles so neu. Vor allem fiel ihm das Gehabe der Leute auf, die wechselnd in das Abteil dritter Klasse einstiegen, um ihre kurzen Reisen zu tun: mit verschlossenen und verdrossenen Blicken betrachteten sie einander, und kam ein Gespräch zustande, so hielt es sich in den langweiligsten Allgemeinheiten. Da jeder in jedem einen der Spitzel vermutete, mit denen das Land überschwemmt war, und die sich als Arbeitsplatz mit Vorliebe die Eisenbahnzüge aussuchten, empfahl es sich so. Das Volk hier in sächsischen und thüringischen Landen war sonst lebhaften Geistes und häufig von drastischem Witz; jetzt hörte Ludwig kein heiteres Wort.
Als es dunkelte, nickte er ein wenig ein im überheizten Coupé. Ein ruckweises Anhalten des Zuges erweckte ihn. Er sah durch die halbvereiste Fensterscheibe auf einen schwachbeleuchteten Bahnsteig hinaus, ohne viel zu erkennen. Plötzlich fiel ihm die Form des Zeitungskiosks auf- er war erbaut wie ein Schweizerhäuschen und übrigens schon geschlossen - und er wußte, daß er im Bahnhof seiner Heimat192


