Druckschrift 
Der Reisepaß : Roman / Bruno Frank
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Männernarrheit. Ihr lebt ja alle nicht mehr, ihr Män­ner, nur euren Wahnsinn gibt es für euch. Volk, Recht, Autorität, Freiheit, Krieg oder nicht, Presse, Verbot, Aufmärsche, Revolution, ein Führer, ein Fürst, was weiß ich! Bloß ein Leben gibt es nicht mehr. Lauter Gespenster, die mit Gespensterbeilen aufeinander loshacken. Die Tat! der Geist! das Werk! Ich kann Ihnen sagen, Ludwig, es ist eine Wonne und ein Spaß, wenn das ,, Werk" so allein regiert... Nein, auch Sie haben an mich nicht gedacht, sich nichts vorgestellt. Sie haben Ihren Part gespielt in dem Narrenschauspiel. Jetzt sind Sie gekommen. Ich habe geglaubt, Sie sind zu mir gekommen. Aber nein, man hat Sie über die Grenze gestossen, zufällig dorthin, wo ich bin."

,, Sanna..."

,, Nein! Ich will jetzt nichts hören." Sie ergriff mit einer jähen und festen Bewegung seine Hand. ,, Ich weiß, was Sie sagen könnten. Ludwig, es hat keinen Sinn mehr, zu beschönigen und zu vertuschen. Sie gehen da neben mir her, und ich spüre, wie es mit Ihnen ist. Sie streifen ja nicht an meinen Rock- als wär' er aus Feuer und Du könntest in Rauch aufgehen. Du denkst Dir womöglich noch, das ist anständig. Ach wie anständig, Ludwig, wie hoch vornehm! Man hat seine Pflicht, sein Gesetz, nicht wahr? Die Frau eines Freundes und Meisters, die nimmt man nicht, da tut man sich Gewalt an und ihr,- und ist man einmal davon, so war es ein süßer Schmerz und das 160