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Der Reisepaß : Roman / Bruno Frank
Entstehung
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Er nickte nach dem Daumier 'schen Bilde hinüber, ergriff die Feder und hielt das kleine Holzstäbchen imitierend genau so, wie drüben der dunkelnde Ritter auf seinem Klepper die Lanze hielt.

Draußen entstand Geräusch. Ludwig blickte nach der Tür, durch die jetzt gleich Susanna eintreten würde. Schritte kamen heran, weibliche Schritte. Doch nicht die ihren, sicher und leicht, er hätte sie erkannt.

Ins Zimmer herein blickte, ohne zu pochen, eine Magd im Kopftuch, bäuerlich von Aussehen. Sie fragte etwas auf Tschechisch. Rotteck gab ihr Be­scheid, nach seinen Worten suchend in dem fremden Idiom.

Ludwig fand sich zurück. Er sagte: ,, Andere Zei­ten werden kommen. Und dann treten Sie hervor mit dem abgeschlossenen Werk. Es wird Ihr Ruhm sein, daß Sie es vollendet haben in solcher Zeit!"

,, Werden sie kommen, die anderen Zeiten? Nicht für uns, Ludwig. Machen wir uns doch nichts vor. Dieser Einbruch der Werwölfe und Stinktiere ist keine Episode. Ganz so wie wir haben Andere ge­sessen, als Rom sank, vor einem Jahrtausend und einem halben. In ihren schönen Säulenhöfen haben sie gesessen, in Aquileja und in Tarent , in Tingis und Timgad, und haben darauf gewartet, daß die Herren Germanen kämen und ihre Bibliotheken und Bäder zerschlügen. Und sie wußten, sie wußten, Ludwig, daß nun die Finsternis kam, dunkle Jahrhunderte,

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