,, Aber was fällt Ihnen ein!" Rotteck legte eilig die Feder hin. Es war ihm anzusehen, wie er sich einen Ruck gab, sich zurückfand. Er blickte Ludwig freundlich in die Augen und sagte:
"
,, Statt da Predigten zu halten, sollte ich Ihnen lieber danken, Ludwig, dazu ist Anlaß. Ohne Ihre Umsicht und Hilfe säße ich nicht hier, könnte nicht im Warmen schwatzen von Vauvenargues und Cervantes. Ohne Sie wären diese ersten Jahre nicht zu überwinden gewesen. Jetzt geht's ja wieder, die Galeere schwimmt." Noch immer wurde Susanna nicht erwähnt. War es nicht, als umginge er ihren Namen geflissentlich? Er sagte Ich und nicht Wir. Es wäre natürlich gewesen für Ludwig, ja geboten, nach Sanna zu fragen. Aber er vermochte es nicht.
,, Ich bin ganz glücklich," antwortete er ,,, Sie an Ihrem Werk zu wissen-"
,, Ja, mein Lieber, dafür ist man eingesetzt. Sehen Sie her! Das ist entstanden."
Er beugte sich ein wenig zur Seite, entnahm der unteren rechten Lade seines Schreibtischs einen schwarzüberzogenen Kasten, stellte ihn vor sich hin und öffnete. Der Kasten enthielt ein hoch aufgeschichtetes Manuskript.
,, Tomus quintus operis. Da liegt er. Holland und Spanien. Zeitalter der Riesen. Rembrandt , Hals, Greco, et dii minores. In diesem Band darf ich blättern, es steht mir ganz frei, ich bin sein einziger Leser."
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