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Schon zum vierten Mal ging er an dem Hause vorüber und entschloß sich nicht, einzutreten. Das Herz klopfte ihm so, daß es weh tat. Er machte einen Augenblick Halt, blickte in den unwirtlichen Torweg und begann seine Wanderung von Neuem.
Es war ein Seitensträßchen mit charakterlosen, unschön heutigen Häusern. Nichts von dem unordentlichen Zauber der Gassenwelt, die sich bei seinem Herweg soeben flüchtig vor ihm aufgetan. Kleingewerbe, dem die Hauptstraße vorne zu teuer war, hatte sich hierher zurückgezogen. Er kannte die Geschäftchen schon auswendig. Es waren eine Schuhmacherwerkstatt, in der ein bleicher, etwas verwachsener Geselle vorne am Fenster hämmerte, eine Plissieranstalt, zwei Sattlereien, eine Hemdennäherei und ein Kolonialwarengeschäft, vor dem unfrisches Obst zur Schau lag. Die Näherinnen und die Mädchen in dem Plissierladen waren schon aufmerksam geworden und blickten durch die Scheiben, wenn Ludwig vorüberkam, aber der Schuhmacher tat, als sähe er ihn nicht, und schlug streng auf seine Sohle los.
An der Ecke das Straßenschilder las es nun schon zum dritten Mal. Hopfenstokova hieß die Gasse. Immer wenn er seine Briefe nach Prag adressierte, hatte er das Wort mit einem Kopfschütteln niedergeschrieben. Da wohnten also Rotteck und Sanna in einer Gasse namens Hopfenstokova-
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