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Der Reisepaß : Roman / Bruno Frank
Entstehung
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liner Wohnzimmer. Oben an der Schmalseite saß er, vom Fenster abgewendet, in dem Armstuhl mit dem oranischen Wappen. Die Geheime Staatspolizei also hatte von den Zusammenkünften gewußt, und hatte, was da geäußert wurde, phonographisch festgehalten. Es war bekannt, daß dergleichen geschah. Der Vor­gang war einfach. Irgendwo im Raum wurde ein Mi­krophon eingebaut, und mit einem Griff machte ein Vertrauensmann es aufnahmebereit. Ein Vertrauens­mann wer denn? Es konnte nur Imme gewesen sein, Hermann Imme, der Säbelbeinige, mit den run­den, blauen Augen im Apfelgesicht. So also sah Verrat aus. Monat um Monat hatte der ihm die Kleider zurechtgelegt, und Pyramidon auf den Nachttisch bei Föhnwetter, hatte den Atem angehalten beim gering­sten Wunsch seines Herrn, und wenn er Mittwoch Ausgang hatte, war er zur Staatspolizei gewandert und hatte seine Rente behoben. So sah das aus. Jetzt sprach, von der Rückseite der Platte drei, Oberst Bruckdorf, militärisch deutlich, recht laut. Es war eitel Hochverrat, was er redete.

Ludwig blickte den Menschen hinter dem Schreib­tisch an. Der schien sich köstlich zu unterhalten. Sein zerfressener Nasenflügel zuckte vor Vergnügen.

" Ja also, Prinz," bemerkte er freudig ,,, das sind so unsere kleinen technischen Wunder. Ganz überzeu­gend, wie? Aber das ist noch jarnischt," fuhr er in seinem unglaubwürdigen Berlinisch fort ,,, ieberhaupt noch jarnischt is das."

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