9.
Das Gebäude, vor dem sie hielten, wirkte wie eine Schule. An seiner riesigen Front waren die vorhanglosen Fenster allesamt hell erleuchtet, vom Parterre bis unter das Dach. Man war zum Empfang bereit. Man verbarg sich hier nicht. Nackt und frech und im vollen Licht residierte hier die Gewalt.
Die Begleiter verschwanden im Haus. Von Soldaten umstellt, hatten die Gefangenen im Regen zu warten. Ludwig las überm Portal einen griechischen Spruch: Ho me dareis anthropos u paideuetai, und wunderte sich, daß er's noch übersetzen konnte. Die Inschrift war eigentlich der neuen Bestimmung des Gebäudes noch besser angepaẞt als seiner früheren. Er bemerkte etwas dergleichen zu Zednitz. ,, Stramm angefaßt" werde man hier ja wohl werden.
,, Maul halten!" fuhr man ihn an. Von drinnen kam ein Zeichen, und man führte Zednitz ins Haus.
Ein zweites Auto hielt. Aber Ludwig blieb keine Zeit, sich zu vergewissern, wer nun anlangte. Bewaffnete eskortierten ihn zum zweiten Stockwerk hinauf. Eine breite Tür, der Treppe gerade gegenüber, wurde vor ihm geöffnet.
Inmitten des saalartigen Raumes saß ein junger Mann hinter einem Schreibtisch, auf dem keinerlei Arbeitsmaterial zu sehen war. Er trug die schwarze Uniform mit silbernen Abzeichen und eine Doppelschnur von der linken Schulter über die Brust. Sein 114


