Jeder am Tische wußte bereits, wie dort die Stimmung war. Man hielt sich im Stahlhelm an die Traditionen des vergangenen Jahrhunderts gebunden, war betont und kämpferisch antirevolutionär, war deutsch in einem oft primitiven und engen Geiste. Gereizte, übersteigerte Vorstellungen von nationaler Würde dominierten auch dort. Jedes einzelne Mitglied empfand die Deutschland aufgezwungene Waffenlosigkeit als eine ihm persönlich angetane Schmach. Aber das waren eifersüchtig gehütete Vorstellungen und Ziele. Man wünschte diesen Schatz nicht zu teilen. Und ihn hatte nun ein Klüngel von Agitatoren sich angeeignet, hatte ein demagogisches Marktgeschrei daraus gemacht und sich unter diesem Zeichen in die Herrschaft emporgeschwatzt und emporgeschwindelt.
Die an ihr altes, ihr wieder zu errichtendes Deutschland glaubten, fühlten sich elend betrogen. Man war monarchistisch im Stahlhelm, man war religiös. Man hatte auch gar nichts übrig für den volksverführenden Rassenhumbug. Unter diesen ehemaligen Kämpfern waren ungezählte nicht rein„ germanischen" Bluts. Sie alle auszustossen, war man gezwungen worden, man empfand das als einen unwürdigen Verrat am Gedanken der Kameradschaft. Gerade innerhalb der sächsischen Organisation, wenn Oberst Bruckdorf die Dinge richtig ansah, war dies Gefühl höchst lebendig.
Leider aber, leider- und hier dämpfte der weißbärtige Herr seine Stimme wieder zum Flüstern- erschien die oberste Leitung des Bundes durchaus nicht 102


