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Der Reisepaß : Roman / Bruno Frank
Entstehung
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Angst vor der Fülle seiner Taten. Es erging jener Befehl, bei dessen Empfang August so krachend in seinen Sessel gesunken war. Darin war verfügt, daß sich der neue Herzog als Gefangener in seinem Schloß zu halten habe. Ging alles gut, so vergaß man ihn da... Er war ausgeschaltet aus jenem Blutkreislauf der Macht, an dem teilzuhaben er so gierig ge­

wesen.

Ludwig sah ihn nicht mehr. Auf dem Bahnhof kaufte er Berliner Zeitungen und die paar Schweizer und englischen Blätter, die in diesen Tagen durch Nachlässigkeit der Konfiskation entgingen. Die ihm gewohnten ,, Times" waren darunter.

Er blieb allein im Abteil. Und er las. Aus Dreivier­telslügen und kommandiertem Gewäsch auf dem deutschen Papier, aus Halbgewußtem, Halberratenem in der Presse von draußen, stieg ihm das Ungeheuer­liche entgegen.

Was sich hier entladen hatte, war die natürliche Spannung zwischen den historischen Gewalten im Reiche und dem Parteiheer, auf dessen Schultern Jener zur Höhe geklettert war. Diesen wimmelnden Landsknechtshaufen, von Röhm zusammengebacken, denen man die versprochene Alleinherrschaft vorent­hielt, nachdem sie ihre Dienste geleistet.

Für Kanzler Hitler war der Moment bedenklich. Der uralte Reichspräsident lag im Sterben. War er tot, dann bedurfte Hitler zu seiner endgültigen Erhebung der Generäle. Aber die Generäle verlangten die Auf­

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