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Der Reisepaß : Roman / Bruno Frank
Entstehung
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mus. Sein Argument war das gute. Es gab kein anderes. Unberaten, oder wo man ihm Gründe entgegenhielt fehlberaten, zog sich der Fünfundzwanzigjährige völlig in sich selber zurück. Er gehörte nirgends hin. Das ist wenig bequem. Aber man kann ein Mann dabei werden.

Er verbiẞ sich in Arbeit. ,, Cultiver mon jardin, was sonst," hörte er seinen Meister sagen, und es existierte kein anderes Rezept. Die Entwickelung einer Kunst zu studieren, das war gewiß ein seltsames Beginnen in so trübe gischtender Zeit. Doch was wäre nicht selt­sam gewesen. Welterkenntnis war ein Theben mit hundert Toren, und es blieb am Ende gleich, durch welches der Tore man eindrang. Die Arbeit über Goya den Portraitisten allerdings, zu der in seinen Mappen das Material aufgeschichtet lag, ging stok­kend voran, dann blieb sie liegen. Es fehlte Rottecks befeuernde Gegenwart, es fehlte auch der Antrieb, sich an einer der verunreinigten Hochschulen einen akademischen Grad zu erwerben, schon der Gedanke daran war lächerlich. Wem konnte es einfallen, einen Hörsaal zu betreten, wo man zu gewärtigen hatte, statt eines gelehrten Kenners irgendeinen Hoffedanz vom Pult zu vernehmen. Aber es bot sich ihm die gewaltige Literatur zur Geschichte der Künste, ein unüberblickbares Firmament, an dem, von Sandraart und Winckelmann über Jakob Burckhardt und Wölfflin bis zu seinem Rotteck, ein Heer von Sternen erster Ordnung erglänzte.

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