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Der Reisepaß : Roman / Bruno Frank
Entstehung
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abschnitt und den Hausierkram in die Gosse streute. Man saß hier im Ansehen seit hundertfünfzig, seit zweihundert Jahren. Man war Friedrichs des Großen Hofbankier gewesen, und Kaiser Friedrich der Dritte hatte einen geadelt. Der italienische Botschafter ver­kehrte im Haus. Man zitierte ohne Aufhebens Swin­burne und Valéry. Gab es noch so etwas wie eine europäische Kultur hohen Stils, hier war sie zu finden. Wenn je einmal die Rede auf Herrn Hitler und seine Gewalttätigkeiten kam, so stellte sich heraus, daß man ihm leider so völlig Unrecht nicht geben konnte. Tru­gen etwa jüdische Literaten nicht wirklich Schuld an sehr Vielem, jene ungezügelten Gesellen, die in radi­kalen Zeitschriften mit rotem oder grünem Umschlag ihr Gift verspritzt und aus ihren Sympathien für Mos­kau kein Hehl gemacht hatten? Langte nicht wirklich von dort her mit haariger Tatze das Chaos herüber, ganz bereit, alle Cloisonné- Vasen zu Staub zu zerquet­schen, und richtete die neue Bewegung- ganz unter uns, Prinz, natürlich- nicht in der Tat einen Damm auf gegen dies Schrecknis. Ihre Anfangsformen frei­lich waren ungepflegt, aber das würde sich geben.

Wenn hier solch vertrauensvolle Hoffnung mög­lich war, wie erst in legitimierteren Schichten! Was von der Industrie Gewinn zog, teilte sie, denn war nicht die Absicht der neuen Machthaber deutlich, den Ansprüchen des Handarbeiters endlich ein Ziel zu setzen und so die neue Prosperität heraufzuführen. Was vom Großgrundbesitz lebte, teilte sie, denn ihm 80