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Der Reisepaß : Roman / Bruno Frank
Entstehung
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Ludwig war jung und war leicht gerührt. Er mach­te noch einen schwachen Versuch.

,, Persönlich vermissen werd' ich Dich auch. Aber praktisch? Höchstens wenn ich mir die Knöpfe selber ins Frackhemd stecken muß. Und es sind keine Frackzeiten."

Es war ein Rückzugsgefecht. Hermann war natür­lich mitgekommen. Auch die ,, Frackzeiten" waren nicht so völlig vorbei, wie Ludwig angenommen hatte. Einige Wochen zwar lebte er ziemlich einsam; aber dann stellte sich mit Häusern der Aristokratie in Berlin und in Potsdam Verkehr her, und ebenso mit mehreren der alteingesessenen Familien, die das darstellten, was sie selbst halb stolz halb ironisch ,, la première juiverie" nannten.

Wundervolle Besitzungen in Dahlem und Wann­see . Erlesener, unaufdringlicher Reichtum an Dingen der Kunst. Ohne Prahlerei waren die frühen Aubus­sons hingebreitet, in unscheinbarer Ecke hing ein van der Goes, stand ein Cloisonné- Stück aus der Sung­zeit. Ludwig bevorzugte eine Weile diese Häuser aus einer Art Trotz gegen die aufschießende ger­manische Narrheit, aber er hörte bald auf, sich hier wohl zu fühlen. Und zwar wurde ihm gerade die Stellung zu den Ereignissen fatal, die man hier ein­nahm. Man ignorierte sie. Man bagatellisierte, was geschah. Man legte den allerhöchsten Wert darauf, aus anderem Stoff zu sein als jene neuhergewanderten Juden, denen man östlich vom Alexanderplatz die Bärte

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