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Der Reisepaß : Roman / Bruno Frank
Entstehung
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Das Haus, darin Ludwig sich eingemietet hatte, stand in dem noch nicht völlig bebauten, äußeren Teil des, Hohenzollerndamm' benannten Straßenzugs. Es war ein solides Gebäude mit einem ausgezeich­neten, geräuschlos funktionierenden Lift, der ihn rasch zu seiner im obersten, dem sechsten Stock­werk gelegenen kleinen Wohnung hinauftrug. Sie bestand aus zwei viereckigen Vorderzimmern, deren Fenster über Tennisplätze und lückenhaft bebautes Terrain den Blick auf die Wipfel des Grunewalds frei­gaben, einem Dienerzimmer, dem Bad und der Küche. Er hatte einen Teil seiner Möbel hertransportiert, es waren wenige, meist altholländische Stücke, ererbt weiß Gott woher. Das Ganze wirkte ein bißchen leer und fast übermäßig ordentlich.

Für das Dienerzimmer hatte er, entgegen seiner ur­sprünglichen Absicht, nun doch Verwendung, denn der säbelbeinige Imme hatte bei der Übersiedelung herzinnig darauf bestanden, ihn zu begleiten.

,, Hoheit können unmöglich ohne Bedienung blei­ben. Und da bin ich doch besser als irgend ein Neuer, der erst angelernt werden muß."

,, Ich sage Dir ja, eine Aufwartefrau genügt mir. Du verlierst nichts, Hermann. Geh zurück ins Schloß, und wenn das nicht, so schreibe ich Dir ein Zeugnis, daẞ Dich der Papst engagiert!"

Die runden blauen Augen füllten sich mit Tränen. ,, Hoheit meinen, ich denke bloß an mich. Hoheit wissen ja garnicht, wie ich an Hoheit hänge."

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