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Der Reisepaß : Roman / Bruno Frank
Entstehung
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kennst, so wirst Du sie eben noch einmal hören. Sie verdient's. Da holen also in diesem schlesischen Nest fünf Nazis fünf- einen sozialistischen Arbeiter bei nachtschlafender Zeit aus seinem Bett heraus. Sie ha­ben alles genau verabredet, sie handeln methodisch. Das heißt, sie foltern den Mann in langsamer Arbeit viehisch zu Tode. Sie hauen ihm mit einem stumpfen Beil auf den Kopf, sie stechen ihm mit spitzigen Stöcken im Gesicht herum, sie stoßen ihm in den Kehlkopf ein Loch, sie zerreißen ihm mit den Fingern die Halsschlagader. Erfinderisch sind sie, Deine Par­teifreunde. Solange sich's hinziehen läßt, amüsieren sie sich. Neunundzwanzig Wunden stellt der Ge­richtsarzt fest. Die Fünf werden zum Tod verurteilt. Aber Dein ,, Führer", der Mensch, aus dessen Händen Du Deine Statthalterschaft zu empfangen hoffst, der telegraphiert den fünf Viechskerlen in ihr Gefängnis. Still! ich les' es Dir vor, sein Telegramm. Es steht hier: ,, Meine Kameraden! Angesichts dieses unge­heuerlichsten Bluturteils fühle ich mich mit Euch in unbegrenzter Treue verbunden. Eure Befreiung ist von diesem Augenblick an eine Frage unserer Ehre-" Er wird sie leicht durchsetzen, ihre Befreiung, Dein Hitler , wenn er zur Macht kommt, und vielleicht wer­den die fünf Bestien Deine Kollegen als Statthalter. Ich aber brauche nicht mehr zu wissen. Er könnte das Genie sein, Dein Hitler, als das Ihr ihn ausschreit. Sein Programm könnte ein Wunderwerk sein an Scharf­sinn und an Erleuchtung. Mir genügt auf alle Fälle

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