dem berühmten Kupferstich eine präzise und aktuelle Deutung.
Der mutige Ritter, hieß es da mit stammtischhafter Direktheit, sei natürlich das ernste, würdige, heilig unbeirrbare deutsche Volk. In der öden Larve des Todes habe der Nürnberger Meister, der ,, deutschblütigste" unter allen, nichts anderes dargestellt als den drohenden Kommunismus, der wenig nachher in der Bauernrevolution grausig sein Haupt erhoben, in der scheußlichen Fratze des Teufels aber, mit dem Sichelhorn auf dem difformen Schweinsschädel, selbstverständlich den Juden. Vom Juden war immerfort die Rede in dem Artikel und zwar vorzugsweise in der apostrophierten Einzahl der Jud', was Ludwig als besonders würdelos und ekelerregend auf die Nerven fiel. Dann aber wurden die seherischen Qualitäten Albrecht Dürers gerühmt, über Jahrhunderte hin habe der deutschblütige Meister das Geschick seiner Nation vorweggenommen, und es fehlte nicht viel oder eigentlich garnichts, so wurde der stille Ritter zu einem prophetischen Portrait Adolf Hitlers erklärt. ,, Es ist, als hätte der Meister gewußt, daß eines fernen Tages einer die Straße reiten werde, der dem Bolschewiken das fast schon abgelaufene Stundenglas aus der Hand schlagen wird, während ein lässiger Huftritt seines Rosses den hinter ihm lauernden Juden erledigt."
,, Nun?" sagte Frau Rotteck, als er das Heft schloß, ,, Sie haben ja nicht ein einziges Mal gelächelt. Johan
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