4.
Er ging um die fünfte Nachmittagsstunde den ,, Landgrafenberg" hinauf, machte auf halber Höhe Halt und läutete am Gartentor der Rotteckschen Villa. Frau Susanna Rotteck kam von Hause her den geraden Pfad herunter, zu dessen beiden Seiten ein Gewoge von Georginen und Astern regellos durcheinander blühte im getrübten Feuer der Herbstpalette. Sie winkte von Weitem schon.
,, Rotteck hat angeordnet, wir sollen den Tee allein trinken," sagte sie, als Ludwig eingetreten war. ,, Schneiden Sie nur nicht so ein unhöflich enttäuschtes Gesicht! Ich weiß schon, daß Sie mich nicht leiden können." Und sie verschloß ihm den Mund mit der Innenfläche ihrer langen und kräftigen Hand, um keine Verwahrung zu hören.
دو
Was für ein Herbst!" sagte Ludwig, während sie auf dem mit großen Platten belegten Weg sacht aufwärts schritten. Sie gab keine Antwort. Aus ihren spähenden, klugen, hellgrauen Augen blickte sie schräg zu ihm nieder. Sie war etwas größer als er, herrlich gewachsen, Schultern und Hals von ebenmäßiger Kraft, bei schon etwas zu voller Büste, eine beunruhigende, schöne Person. Was sie mit Lustigkeit übertrieb, war nicht so unrichtig: Ludwig wehrte sich gegen seine Sympathie. Es verursachte ihm eine leichte Pein, die Frau seines Meisters so anziehend zu finden.
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