heftiger, als sie einsam war. An seinem Hofe, in seiner Stadt, verstand niemand etwas von griechischer Numismatik. Der Althistoriker der Landesuniversität, ein unappetitlicher und verlegener Greis, sah in diesen Gold- und Silberstücken nichts als Hilfsmittel zur geschichtlichen Forschung und war ohne Auge für ihren Kunstwert und Reiz. Er wurde zweimal zu Hofe geladen und dann niemals wieder. Über seine Schätze sprechen konnte der Herzog eigentlich nur mit Jacques Wetzlar selbst, und der kam natürlich nicht ungerufen. Allzu häufig rufen aber konnte man ihn schicklicher Weise nicht. Erschien er, so verweilte der Herzog viele Stunden lang mit ihm in jenem dritten Zimmer, niemand durfte stören, und noch Tage nach einem solchen Besuch pflegte der Landesherr in gehobener Stimmung zu sein.
Kein geringes Ziel hatte sein Ehrgeiz sich gesteckt. Die leicht erlangbaren Münzen der Spätzeit, ausgegeben von den hellenistischen Königen und unter der Römerherrschaft, waren verschmäht. Die Sammlung hob an mit uralten, plumpen Stücken, sechs oder sieben Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung aus dem Golde der lydischen Flüsse geprägt: oval noch die ersten oder kugelig von Gestalt, die folgenden flach, aber unvollkommen gerundet, einseitig bebildert und ohne Aufschrift, zu unterscheiden nur am Emblem ihres Landes oder ihrer Stadt. Die Schildkröte von Aegina war da, der böotische Schild, die ephesische Biene, die Rose von Rhodus. Eine etwas spätere Zeit 32


