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Der Reisepaß : Roman / Bruno Frank
Entstehung
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2.

Im Westflügel des Residenzschlosses, im zweiten Stockwerk, lagen die ,, Kammern Johanns des Gläu­bigen", drei Räume in der Ausschmückung des sieb­zehnten Jahrhunderts. Sie umfaßten das Münzkabi­nett des Herzogs. In langen Mahagonikästen waren hier auf dunkelgrünem Samt seine silbernen und gol­denen Schätze zur Schau gelegt.

Die beiden ersten Säle waren völlig der Münzge­schichte Sachsens gewidmet. In wundervoll erhalte­nen Exemplaren erglänzte hier Johann Friedrich ne­ben Johann Georg, Adolf Wilhelm neben Franz Jo­sias , Ernst an Ernst. Diese Sammlung war so gut wie lückenlos. Sie hatte vor Herzog Philipp nicht existiert, sie war völlig sein Werk, sein Stolz und eigentlich seine einzige Liebhaberei.

Er war sonst nicht leicht zu unterhalten. Wie alle seine Kollegen subventionierte er zwar ein Hofthea­ter und ein Hoforchester, aber er zeigte sich selten, nur aus Anlässen notwendiger Repräsentation, in der mit Purpurtuch behangenen rechten Proszeniums­loge. Baulust, die ihm als Erbteil wahrscheinlich im Blute lag, mochte durch die verfassungsmäßige Kon­trolle seiner Finanzen zurückgedrängt worden sein. Die Jagd, herkömmliche Zerstreuung sich langwei­lender Fürsten , zu der in den ausgedehnten Wäldern seines Gebiets reiche Gelegenheit war, hatte ihn nie­mals gereizt; er war erstaunt, diese Leidenschaft in 30