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Im Westflügel des Residenzschlosses, im zweiten Stockwerk, lagen die ,, Kammern Johanns des Gläubigen", drei Räume in der Ausschmückung des siebzehnten Jahrhunderts. Sie umfaßten das Münzkabinett des Herzogs. In langen Mahagonikästen waren hier auf dunkelgrünem Samt seine silbernen und goldenen Schätze zur Schau gelegt.
Die beiden ersten Säle waren völlig der Münzgeschichte Sachsens gewidmet. In wundervoll erhaltenen Exemplaren erglänzte hier Johann Friedrich neben Johann Georg, Adolf Wilhelm neben Franz Josias , Ernst an Ernst. Diese Sammlung war so gut wie lückenlos. Sie hatte vor Herzog Philipp nicht existiert, sie war völlig sein Werk, sein Stolz und eigentlich seine einzige Liebhaberei.
Er war sonst nicht leicht zu unterhalten. Wie alle seine Kollegen subventionierte er zwar ein Hoftheater und ein Hoforchester, aber er zeigte sich selten, nur aus Anlässen notwendiger Repräsentation, in der mit Purpurtuch behangenen rechten Proszeniumsloge. Baulust, die ihm als Erbteil wahrscheinlich im Blute lag, mochte durch die verfassungsmäßige Kontrolle seiner Finanzen zurückgedrängt worden sein. Die Jagd, herkömmliche Zerstreuung sich langweilender Fürsten , zu der in den ausgedehnten Wäldern seines Gebiets reiche Gelegenheit war, hatte ihn niemals gereizt; er war erstaunt, diese Leidenschaft in 30


