ser waren erschienen, dazu eine ganze Anzahl von Prätendenten. Es kamen Braganza, Bourbon, Orléans, Este, die ganze untergegangene Geschichte des Erdteils, Hochadel dazu mit verwunderlichen Namen, Dentici- Frasso, Vallabriga y Chinchon . Herrschaften waren darunter, die jedesmal den Hut abnahmen, wenn sie die Worte ,, Feu mon grand- père" aussprachen, und solche, bei denen die Türklinken abgewischt wurden, wenn ein Protestant zu Besuch dagewesen war. Man sah Uniformen, die in keinem Lande der Erde mehr galten, Sterne und Großcordons, die im Jahre 1868 zum letzten Mal rechtmäßig verliehen worden waren. Der spukhafte Glanz in der Annenkirche war so seltsam, daß die Trauer vor ihm zunichte wurde. Nur Ludwig, der ein vom Weinen völlig verschwollenes Gesicht aufwies, brauchte keine Anstrengung, um zu wissen, daß dort in dem Katafalk der schmale Leib seiner Mutter verschlossen lag.
Er ließ sich nach der Zeremonie sogleich von Steiger in seine Wohnung zurückführen, zwei Zimmer im Ostflügel des Schlosses, deren Fenster auf den Park sahen. Es war Juni und wunderschönes Wetter. Ludwig lehnte sich zum Fenster hinaus. Gerade vor ihm stand ein alter Ahorn. Ein niedlicher Specht mit rotem Scheitel hackte aus Leibeskräften auf die Rinde los und schickte nach je zwei Schnabelhieben seine spitzige Zunge hinein, um Insekten hervorzuholen. ,, Macht er denn den Baum nicht kaputt?" fragte Ludwig.
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