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LASS MICH NICHT INS REICH
Der Träume flüchten,
Laß im Worte mich die Wahrheit sehn,
Neugeburt
In des Herzens Gründen und den Schlüchten, Seinen Süchten,
Die ichverflochtnen Wurzeln laß mich sehn.
Wer will reinigen die Haut des Mohren, Daß sie strahle wie der Schnee so weiẞ? Schwöre ab der Klugheit aller Toren, Gib verloren
Der eignen Bess'rung Künste, gib sie preis!
Wer mag wohl des Tigers Wildheit wandeln, Ändern stracks den Wolf ins zahme Lamm? Mag der Geier gleich dem Täubchen tandeln? Mag auch handeln
Verbrechersinn wie Christ am Kreuzesstamm?
Halte mir den unbarmherz'gen Spiegel Tiefster Wirklichkeit vors Angesicht! Wirf mich in der Selbsterkenntnis Tiegel, Daß der Riegel
Der irren Täuschung meiner selbst zerbricht!


