Abschrift
Sehr verehrter Herr!
Es ist ein mich hochehrendes Zeichen Jhres Vertrauens, wenn Sie mich bitten? jhre Gedichte auf Unebenheiten und Längen durchzusehen. Nur mit Zögern bin ich an diese Aufgabe herangetreten. Ps ist ja doch dem Dichter jedes seiner Kinder lieb. Aber ich will Jhnen den Gefallen tun, auch auf die Gefahr hin, als Schulmeister zu erscheinen. Jch habe mir eraubt, alle kleinen rythmischen Unebenheiten, d.h. Stellen, da der natürliche und der metrische Ton sicht nicht deckt, zu unterstreichen, sodann mit lammern entbehrliches zu bezeichnen, d.h. was mir so erscheint, weil es Gedanken enthält, die auch sonst in der Literatur des öfteren begegnen, auch, wo mir eine gewisse Flüssigkeit zu fehlen schien, habe ich eingeklamme rt.
Es ist ja bei einem Sternenhimmel immer so, dass neben Sternen erster Grösse auch solche von geringerer stehen. Damit ich aber nicht blos als Kritikus erscheine, habe ich mir gestattet, durch Grünstift solche Stellen zu bezeichnen, die mir ganz be so nd ers gefallen, womit nicht gesagt werden soll, dass mir das Andere nicht gefallen habe. Jch bin vielmehr aufs Neue entzückt von der Originalität, der Kraft und der Tiefe Jhres Dichtens.
An eine Entlohnung wollen Sie bitte nicht denken ich hatte genug Lohnendes bei der Durcharbeit Jhres Werkes, dem ich noch viele dankbare und verstä dnisvolle Leser wünsche.
Mit der Bitte, mich Herrn Gruhler bestens empfehlen zu wollen, bin ich
Jhr ganz ergebenster
gez. D. Hans Preuss
Original in Allg. Schriftwechel unter Preuss


