Unauffällig und mit großer Vorsicht hatten die Vertrauten der Politischen Abteilung die desinfizierten Kleidungsstücke kontrolliert und die Nummern notiert, um dann unter Zuhilfenahme der laufenden Nummernliste Sonderlisten der Ermordeten aufzustellen. Selbst Zivilisten, welche vom RSHA direkt zur Hinrichtung ins Krematorium gebracht wurden, konnten an Hand der z. T. in der Kleidung noch befindlichen Legitimationspapiere oder sonstigen Kennzeichen identifiziert werden. Dank der unbedingten Verschwiegenheit der Kameraden, die diesen Identifizierungsdienst laufend durchführten, wurde selbst der SS nichts von diesem Geheimdienst bekannt, die diesen Beteiligten ohne Aburteilung den Tod am Galgen gebracht hätte.
Nicht nur die Kleidungsstücke der Ermordeten passierten die Desinfektion, nein, alles, was die SS in den besetzten Ländern zusammengeraubt hatte. Die Wohnungen und Geschäfte in diesen Ländern wurden bis zum Äußersten ausgeplündert und wahllos alles auf Kraftwagen ,, heim ins Reich" transportiert. Das in den Ostländern gestohlene Gut kam ausschließlich nach Sachsenhausen, um dort in den Desinfektionskammern von Ungeziefer und Bakterien gesäubert zu werden. Monatelang rollten täglich die Autos ins Lager, um die ,, Beute" abzuladen, als da waren: Kleidungsstücke von Männern, Frauen und Kindern, einschließlich Leibwäsche, Bettwäsche, Steppdecken, Federbetten, Tischwäsche, Gobelins, Teppiche, Läufer, Portieren, Gardinen, Vorhänge, Pelze, wertvolle Tücher und Seidenwaren, Tischdecken, Stickereien, Spitzen, kurz gesagt, alles, was in einer Wohnung zu finden war.
Mit welcher Brutalität die SS bei dem Rauben zu Werke ging, möge aus Nachstehendem erhellen: In mehreren Anlieferungen fanden sich blutgetränkte Frauen- und Kindernachthemden und Schlafanzüge, die den untrüglichen Beweis lieferten, daß die Besitzer im Bett oder während des Schlafs ermordet worden waren, denn die Nachtkleidung war blutdurchtränkt und durch Bajonette oder Messer zerfetzt. Es ließ sich feststellen, ob das Opfer den Tod durch Brust- oder Rückenstich erlitten hatte.
In einem Fall wurde beim Durchsuchen des geraubten Gutes von den damit beschäftigten Häftlingen in der Desinfektion die Leiche eines Säuglings in blutigen Windeln gefunden, der arme Wurm war durch einen Bajonettstich durch die Brust aufgespießt und getötet worden. In der Eile hatten die Bestien vergessen, die kleine Leiche am Tatort zu lassen, und somit brachte der arme Wurm Kunde nach Sachsenhausen von dem Leidensweg der ganzen Familie. Über den gemachten schaurigen Fund der Lagerleitung Meldung zu machen, war nicht ratsam; denn diese Meldung hätte den Augenzeugen dieser Schandtat als ,, Wissende" das Leben gekostet. So wurde kurzerhand die Säuglingsleiche während des Nachtdienstes im Ofen der Zentralheizung der Desinfektion verbrannt und niemand hat je über diese furchtbare Begebenheit etwas erfahren.
Während des Monats Mai 1942 langte ein Lastwagen, gefüllt mit leeren Koffern und Handtaschen, in der Desinfektion an. Die zum Teil noch daran befindlichen Aufschriften verrieten,
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