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Zwölf Jahre Nacht : mein Weg durch das "Tausendjährige Reich" / von Heinrich Lienau
Entstehung
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Gewalt wurde der Häftling von drei Blockführern hochgehoben, während ein vierter ihm die Schlinge um den Hals legte. Mit einem Fußtritt wurde das stützende Brett weggestoßen und der Körper des Unglücklichen schnellte herab. Fünfzehn Minuten lang hatten die übrigen Lagerinsassen ihre Blicke auf den ge­hängten Kameraden zu richten, bis die BV- Häftlinge vom Kre­matorium die Leiche herunternahmen und in die mitgeführte Leichenkiste zum Verbrennungsofen brachten.

Für heute hatte der Kommandant eine kleine Programm­änderung eingeschoben. Während der Gehängte am Galgen von dem Winde hin- und hergependelt wurde, erscholl über den Appellplatz die Aufforderung des Eisernen Gustav": ,, Singen!" Es sollte nun nicht etwa ein Choral oder ein Grabgesang an­gestimmt werden. Von einem Läufer wurde eine Trittleiter ge­bracht und auf der Mitte der Lagerstraße plaziert. Dann bestieg unser Kamerad Haller, ein alter Politischer die Stufen, um von diesem improvisierten Podium die befohlenen Lagerlieder zu dirigieren: ,, In Esterwegen war ich mal, holderie, holdria

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aber der Wagen rollt" ,,, Grün ist die Heide, die Heide ist grün, aber rot sind die Rosen..." Das Tribunal war zur Szene geworden Lache Bajazzo!

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Die Tragödie war vorüber. Einige Häftlinge waren bei der Hinrichtung ohnmächtig geworden. Stillgestanden!" Abmarsch in die Blocks; der Hornist vom Turm A blies ab, auch die SS hatte dienstfrei und marschierte zum Tor hinaus zur Kom­mandantur. In den Aufenthaltsräumen der Wohnblocks war es leidlich warm; die Plätze um den Ofen herum wurden belagert. Erst als die Brotration an den Tischen 300 g pro Mann und Tag erfolgte, wurde es ruhiger. Heute gab es zudem noch 50 g Margarine, welche von der Mehrzahl sofort für die ,, Kuhle"( Tagesbrotration) als Aufstrich verwandt wurde. Ein Becher Kaffeebrühe spülte es herunter. Aufheben für den nächsten Morgen? Nein, der Hunger verschlingt auch die letz­ten Krumen. Vielleicht gelingt es über Nacht, noch einige rohe Kartoffeln beim Schälen im Keller zu erwischen, wenn der Hunger am nächsten Morgen allzusehr plagt.

Abends noch schnell einen Gang ins Revier zu den po­litischen Kameraden, die dort als Pfleger tätig sind, um zu erfahren, wieviele Tote der heutige Tag, der 18. Januar 1940, im Lager gekostet hatte. In der Schreibstube waren 73 Tote gemeldet, auch der zur Eissäule erstarrte Häftling aus der SK war darunter festgestellt; die Zahl der Todesopfer durch Kälte­einwirkung vom heutigen Tage erhöhte sich in den nächsten Tagen auf 182. Der Januar 1940 schloß mit einer Totenbilanz von 714 bei einer Durchschnittslagerstärke von 8300 Häftlingen, mithin war mehr als ein Zwölftel gestorben worden", wie es in der sarkastischen Lagersprache hieß. Mit anderen Worten: innerhalb eines Jahres stürbe das Lager aus wenn nicht SS und Gestapo täglich neue Opfer in die Hölle Hitlers hinein­schafften.

An einem der nächsten Tage brachte der ,, Völkische Be­obachter" die Mitteilung von der furchtbaren Kälte, die allein in USA am 18. Januar 1940 über hundert Tote durch Erfrieren

6 Lienau, Zwölf Jahre Nacht

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