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Zwölf Jahre Nacht : mein Weg durch das "Tausendjährige Reich" / von Heinrich Lienau
Entstehung
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Als nach dem zehnten Schlage der Turmuhr die noch geh­fähigen Hungergestalten in die Blocks abgerückt waren, hatten sich vor dem Tor zum Revier etwa hundert Kranke zusammen­gedrängt, die sich vor Schmerzen krümmten und aufschrieen, ohne daß ihnen Einlaß gewährt wurde. Der ,, Eiserne Gustav" sorgte für ,, Abhilfe", indem er mit den Blockführern Fickert und Saathoff alle Kranken vom Reviertor verjagte und sie über den Platz ,, rollen" ließ. Resultat: zwölf Schwerverletzte konnten als zusätzliche Tote von den Leichenträgern abtransportiert werden.

In den Wohnblocks waren die Ärmsten wohl vor den äußeren Einwirkungen der Kälte geschützt, aber als sog. ,, Stehkomman­dos" mußten sich alle im kalten Waschraum oder auf den Toiletten aufhalten, wo sie wie die Heringe zusammengedrängt in einer Atmosphäre standen, die jedem nach einiger Zeit den Erstickungstod garantierte. Wer nicht zum Stehkommando ge­hörte, wankte zum Block 17, wo die ,, Lumpentrenner" von dem aus Worms stammenden brutalen Böhm, einem Kri­minellen mit rotem Winkel ,,, behandelt" wurden.

Hinter dem Block 17 von der Richtung der Blocks 37 und 38 laute Schreie, und dazwischen das bekannte Fluchen der SS- Blockführer. Durch die leicht getauten Scheiben bot sich das Bild eines neuen Martyriums dar. Die Juden wurden mit Knüppeln und Ochsenziemern durch den aufgehäuften Schnee getrieben, auf sie eingeschlagen und getreten, wenn sie stürzten. Als die Schreie und das Fluchen nachließen, wagten sich einige ,, Lumpentrenner" hinaus, um Nachschau zu halten.

Ein furchtbares Bild: etwa zehn Juden, meist Alte und Krüppel, lagen blutüberströmt, mit eingeschlagener Schädel­decke, herausdringendem Gehirn, eingetretenen Rippen, bloẞ­gelegten Gedärmen wimmernd auf den Schneehaufen zwischen den Baracken. Nicht ein einziger hatte diese Barbarei über­standen. Die Leichenträger hatten einen schweren Tag, und noch war er nicht zu Ende.

Mittagszeit war es geworden; man brauchte nicht auf die Uhr zu sehen, der hungrige Magen kündete die Zeit. Beim Mittagsappell haben die Arbeitskolonnen ihren Schlag Essen, bestehend aus gefrorenen Mohrrüben und Kartoffeln, im Stehen einzunehmen, um nach kaum zehn Minuten wieder abzurücken. Ein neuer Transport ,, Zugänge" kommt durchs Tor, getrieben von der SS, und muß entblößten Hauptes neben dem Tor Aufstellung nehmen. Einige der Neuen, Alte und Schwächlinge sinken zusammen und werden von der SS mit Fußtritten ,, auf­gemuntert". Anschließend ,, Rollen" durch den gefrorenen Schnee bis zur Baracke B, wo die Aufnahme durch die Politische Ab­teilung vor sich geht.

In der Strafkompanie( SK) müssen die Unglücklichen laufen und Kniebeuge mit Sachsengruß( Hände am Hinterkopf über­einandergelegt) machen. Wütend schlägt der Blockführer Bug­dalla( Brutala genannt) mit dem Knüppel dazwischen. Beim ,, Rollen" gibt ein Teil der Gequälten das soeben eingenom­mene Essen wieder von sich. Dessen ungeachtet müssen sich alle durch die im Schnee ausgebrochenen rotschleimigen Essen­

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