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Zwölf Jahre Nacht : mein Weg durch das "Tausendjährige Reich" / von Heinrich Lienau
Entstehung
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Angehörigen sandten mir die Todesanzeige. Er war einer der besten Kameraden, die ich im KZ kennen lernte; wir standen nach der Kapitulation im regen Briefwechsel miteinander.

Über die Ausrottung der Intellektuellen aller Nationen durch die braune Pest wird in einem der nachfolgenden Kapitel wei­teres zu lesen sein. Nichts war diesen Gesellen verhaßter als die Intelligenz; denn soviel hatten sie begriffen und die Ge­schichte hat es immer wieder bestätigt, daß die geistige Überlegenheit über die brutale Gewalt letzten Endes den Sieg davontrug. Dennoch ging die Vernichtung der Intellektuellen weiter.

Kurz vor der Einlieferung der Krakauer Professoren trafen am 18. November 1939 von den tschechischen Universitäten Prag und Brünn 1100 tschechische Studenten ,, wegen Teil­nahme an einer politischen Manifestation" in Prag ein. Man hat nach und nach den größten Teil der Studenten entlassen, doch haben noch viele von ihnen bis zum Schluß im KZ aus­halten müssen. Den tschechischen Studenten muß nachgerühmt werden, daß sie zu den besten und hilfsbereitesten Kameraden allen Häftlingen gegenüber zählten. Wenn es galt, der SS ein Opfer zu entziehen, so war auf sie unbedingter Verlaẞ. Die Kranken im Revier stellten ihnen das beste Zeugnis aus; ein großer Teil war nämlich stud, med.; unvergeßlich bleibt mir die Zusammenarbeit mit Josef Zeman, Robert Janik, Oleg Ho­mola, Alex Strobach und vielen anderen, die im Laufe der Jahre meine vertrautesten Mitarbeiter als Dolmetscher in der Politischen Abteilung waren.

Waren schon die Haftgründe für die Überführung in das KZ im großen und ganzen wenig oder gar nicht stichhaltig, so noch weniger die körperliche Beschaffenheit des eingelieferten Opfers. Ob das Opfer der SS oder Gestapo haft-, transport­oder lagerfähig war, darüber entschied nicht etwa ein Arzt. Pro forma wurde jeder ins KZ zu Überführende dem Polizeiarzt vorgeführt und ebenso pro forma wurden deren Atteste sche­matisch ausgestellt. Brachte ein Polizeiarzt sein Bedenken zum Ausdruck und erklärte den Häftling als nicht haftfähig, so ver­fügte die Gestapo die Haftfähigkeit. Nachstehend einige Bei­spiele laut vorliegenden Akten.

Stapo Plauen vom 7. Juni 1940 über den Untersuchungs­befund des Schneiders Eduard Prosch( 25 950):

,, Lagerfähigkeit trotz dürftigen Ernährungszustandes an­zunehmen."

Stapo Karlsbad vom 4. Juli 1940 über Josef Seitz( 26 907): Atexis ,, Er ist beschränkt arbeitsfähig, er leidet an mäßigen Grades. Kachexie infolge Kauunfähigkeit des Gebisses, starke Abmagerung."

Weiter über Heinrich Wagner( 26 908):

,, Beschränkt arbeitsfähig. Er leidet an geistiger Im­becilität bei erhaltenem Orientierungsvermögen." Rechtsanwalt und Notar Adam Kudrich( 26 885); Zugang vom 8. Juli 1940 von Stapo Oppeln:

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