Druckschrift 
Zwölf Jahre Nacht : mein Weg durch das "Tausendjährige Reich" / von Heinrich Lienau
Entstehung
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Weil Lächerlichkeit tötet, so mußten diejenigen, welche die Nazis lächerlich machten, von der Bildfläche, d. h. zunächst von der Bühne verschwinden. Sie wanderten ins KZ. Es gab eine Zeit, wo fast täglich bekannte Kabarettisten eingeliefert wurden, weil sie ganz vorzügliche Witze zum größten Gau­dium des Publikums zum Vortrag gebracht hatten. Einer der besten Vortragskünstler aus einem Berliner Kabarett, Werner mit Vornamen, sah sich eines Tages in der Politischen Ab­teilung des KZS wieder. Grund der Einlieferung lt. Schutzhaft­befehl Verächtlichmachung führender Persönlichkeiten.

Hören wir, was Werner auf den Brettern, die die Welt bedeuten, über die Nazigrößen gesagt hatte: ,, Ich habe gar nichts gesagt. Ich mußte etwas vortragen; denn dafür werde ich bezahlt und so bemerkte ich nur, daß die Deutschen ein eigenartiges Volk seien, weil dort soviel im Plural gesprochen würde. Schon bei Wilhelm II. fiel es auf, daß er stets von Wir Wilhelm von Gottes Gnaden" sprach, statt von ,, Ich, Wilhelm usw." Nehmen wir das Sprichwort: ,, Lügen haben kurze Beine warum sagt man nicht: Der Lügner hat ein kurzes Bein. Mehr habe ich nicht gesagt, denn das Weitere sagte das verehrte Publikum, indem es hundertfältig den Namen Goebbels rief, woran ich es nicht hindern konnte." Die Folge war für Werner zunächst Verwarnung durch die Gestapo , weil er das Publikum gereizt habe.

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Beim nächsten Auftreten war Werner etwas vorsichtiger; er sagte nichts, und vermochte auch nichts zu sagen, weil er sich einen mächtigen Hundemaulkorb über den Kopf gestülpt hatte und mit diesem auf der Bühne auf und ab ging. Das Publikum spendete Lachsalven, trampelte mit den Füßen und verlangte, daß Werner zumindest einige Worte sagte, denn schließlich will es doch etwas für sein Eintrittsgeld haben.

Als das Toben des Publikums kein Ende nehmen wollte, schnallte Werner sich den Hundemaulkorb ab und sagte nur die wenigen Worte: ,, Meine Damen und Herren, der politische Teil ist vorbei, jetzt fange ich an." Werner kam nicht mehr zum Anfangen; denn jetzt fing die Gestapo ihn ein und setzte ihn fest, um ihm noch einmal ernsthaft ein Privatissimo zu lesen. Werner versicherte, wirklich nichts gegen leitende Per­sönlichkeiten gesagt zu haben und verpflichtete sich, beim nächsten Auftreten völlig zu schweigen, obwohl er vertrags­mäßig seines Honorars wegen etwas vortragen mußte.

Vor dem wieder zahlreich erschienenen Publikum kroch der Kabarettist im Kreis auf der Bühne herum, ohne etwas vorzutragen, Dem Publikum wurde das lautlose Herumkriechen langweilig und rief ihm zu: ,, Warum kriechen Sie denn?" Darauf richtete Werner sich in seiner ganzen Länge von etwa zwei Meter Höhe auf und bemerkte nur, daß keine Veranlassung vorläge, eine solche Frage zu stellen, denn heute krieche doch alles!" Das war der Gestapo erst recht zu viel. Bei einer spon­tan begeisterten ,, Volksgemeinschaft", die Hitler , Goebbels , Gö­ ring und anderen Größen zujubelte, durfte auch der Kabarettist nicht von Kriechern sprechen. Folge: Letzte Vermahnung.

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