Im Namen des Volkes beantrage ich," so endet sein Resume und dann folgt eine Aufzählung, die erheblich abweicht von dem, was wir von den politischen Prozessen unter demalten Gesetz gewohnt waren. 5 Jahre, 7 Jahre, 10 Jahre, das trommelt nur so auf die Zuhörer nieder10 Jahre für Tilde Klose , 10 Jahre für Heinrich Niebes, 15 Jahre für Jürgens, 11 Jahre für Feiden, lebens- länglich für Goguel und Emden , Todesstrafe für Hans

Schiller, Todesstrafe für Otto Hertel... Der Film ist abgelaufen. Und jetzt zeigt sich etwas Neues: zwar die Organi-

sation wurde bereits vor 6 Monaten besiegt. Aber nun beginnt ein Kampf Mann gegen Mann. Um Zuchthausjahre wird ‚gekämpft, um Freispruch, nein um den Kopf wird gekämpft, der einigen unter uns nach der Rede des Staats- anwalts bedenklich wackelt.

Es beginnen sich die Geister zu scheiden."Warum soll ich in diesem verfluchten stickigen Saal, wo kein Mensch mich hört, den Helden spielen? Leichtsinn ist kein Mut, und Vorsicht ist keine Feigheit!l Reizen wir den Tiger nicht unnötig, appellieren wir an sein Herz!

Geschickt ebnet die Verteidigung die Wege.

Sind das etwa Helden und Kämpfer, die wir verteidi- gen? Nein, hoher Gerichtshof, sieh dir unsere kläglichen Mandanten an: Arme, durch Not und Arbeitslosigkeit auf die schiefe Ebene gedrängte Proletarier! Und die Funk- tionäre? Bestenfalls Salonbolschewisten, die sich an ihren eigenen Phrasen berauschten, aber im Grunde genommen harmlose Idioten sind.

So klingt es aus beredten Anwaltsmündern, und manch einem kleinen Mann fällt ein Stein vom Herzen, ja, so war es, gerade so.

Seht, da ist der arme Peter mit rundem Gesicht und großen erschrockenen Kinderaugen. Er breitet die Arme aus, dicke Tränen rollen über seine Backen, während er beschwörend ausruft:Meine Frau verlangt nach mir,

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