fördert nicht mehr zutage als das polizeiliche Protokoll, nämlich daẞ Tilde Klose überzeugte Kommunistin ist sonst nichts.

Sie hat keine ,, Emi- Marken" nach Berlin abgerechnet, sie las auch nicht ,, K 1 greift an". So wird sie mit vier Jahren Zuchthaus davonkommen.

Aber der Präsident wird seine neugesammelten Erfah­rungen in seinem Schlußwort in die Worte kleiden: ,, Im Fall Klose hat die Polizei unzweifelhaft Lücken offenge­lassen, die für den Richter untragbar sind". Max Brosig hat verstanden. Auch Frauen werden in Zukunft Aussagen liefern

Weder Tilde noch der Präsident weiß, daß ihr heutiges Bekenntnis zum Kommunismus ihr letztes öffentliches Be­kenntnis ist; daß sie nach Verbüßung der Zuchthausstrafe in einem Konzentrationslager elend zugrunde gehen muß, noch ehe der Krieg im Osten ausbricht.

Ich glaube aber nicht, daß dieser Gedanke sie sonder­lich erschüttert hätte. Menschen wie Tilde Klose ähnlich habe ich mir

tionärin, vorgestellt

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SO

Vera Figner , die russische Revolu­

gehen ihren Wag unbekümmert um

Einzelschicksale. Auch wenn es das eigene ist.

Düsseldorf feiert Fastnacht.

heut' sind wir

Prinz Karneval , der unverwüstliche, regiert. Ob Brüning, ob Hitler , ob Demokratie, ob Faschismus fidel, ein Herz und eine Seel'.

Die Lokale sind überfüllt, Masken tanzen auf den Straßen. Die Polizeiautokolonne kann nur mit Mühe ihren Weg durch das Menschengewühl bahnen.

Wir kommen heute, Fastnachtsdienstag, den 5. März 1935, mit Verspätung in den Gerichtssaal. Während draußen das närrische Düsseldorf tobt, erhebt sich ein rotbackiger junger Staatsanwalt mit Offiziersjargon zur Anklagerede. Sie dauert 5 Stunden.

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