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Das war Buchenwald! : ein Tatsachenbericht / herausgegeben von der Kommunistischen Partei Deutschlands, Stadt und Kreis Leipzig ; zusammengestellt und bearbeitet von Rudi Jahn
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beschützt, mit Nahrungsmitteln versorgt und ständig über den Gang der Ereignisse im Lager unterrichtet. Allen offenen und versteckten Suchaktionen zum Trotz, keiner dieser 46 Kameraden wurde gefunden und den SS - Mördern an den Strang geliefert.

Aber auch in anderer Hinsicht war diese Aktion der SS - Lagerfüh­rung ein Miẞerfolg. Wenn die Führung des Lagers geglaubt hatte, in den 46 Kameraden den geistigen und organisatorischen Kopf der un­terirdisch arbeitenden antifaschistischen Aktivisten gefaßt zu haben, so hatte sie sich schwer geirrt. Keiner unserer wirklich führenden poli­tischen und militärischen Köpfe des internationalen, antifaschistischen Aktivs befand sich unter den 46 Todeskandidaten. Einfach deshalb nicht, weil sie der SS - Lagerführung trotz aller Spitzeleien unbekannt geblieben waren. Mit Stolz stellten wir dies fest, war es doch ein Be­weis, daß unsere unterirdische Arbeit wirklich konspirativ gewesen war und selbst den härtesten Prüfungen standgehalten hatte.

Sonnabend, 7. April 1945. Eine Stunde nach Ausrücken der Küchen­und Lagerkommandos heulte die Sirene, und wieder brummten Ge­schwader der Amerikaner über das Lager. Das konnte jedoch diesmal die SS nicht hindern, kurze Zeit später doch mit der Evakuierung zu beginnen. Der Kommandant hatte noch immer die Stirn, zu erklären, es werde nicht evakuiert, er habe nur den Auftrag, einige Arbeitskom­mandos auf Transport zu schicken. Zuerst wurden etwa 3000 Juden, viele bis auf die Knochen abgemagert, nach Weimar gejagt. Schon auf dieser kurzen Strecke blieben über 40 Mann erschöpft auf der Straße liegen und waren am Abend bereits mit Kopfschüssen im Hof des Kre­

matoriums.

Im Laufe des Sonnabends waren die Artillerieduelle im Westen wie­der besser zu hören; gegen Abend kreuzten drei Jabos über das Lager, und es wurde bekannt, daß amerikanische Panzerspitzen bereits Kahla südöstlich von Weimar , erreicht hatten. Andere amerikanische Panzer­spitzen wurden bereits 35 Kilometer nordöstlich von Erfurt gemeldet. Die SS war an jenem Sonnabend in bester Stimmung. Man hatte ihr erzählt, daß zwischen Halle und Hof eine neue, starke Verteidigungs­linie aufgebaut werde; dort wolle man die Amerikaner auffangen und restlos vernichten. Das war die moralische Spritze für die nächsten Tage. Die SS - Bonzen wußten aber noch ein besseres Mittel zur Hebung der Kampfstimmung ihrer Mördergarden. Sie beschlagnahmten zwei Millionen Zigaretten, die für die Häftlinge bestimmt waren, und ver­teilten sie unter die SS - Leute. In diesen ihren letzten Nächten auf dem

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