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Das war Buchenwald! : ein Tatsachenbericht / herausgegeben von der Kommunistischen Partei Deutschlands, Stadt und Kreis Leipzig ; zusammengestellt und bearbeitet von Rudi Jahn
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Der Flüchtling

Frühmorgens 10 Uhr kam der Befehl zum Einrücken. Was ist los? Warum rücken wir vorzeitig ein? Ist einer getürmt? Ja, es ist einer getürmt! Auf dem Appellplatz sammelten sich die Arbeitskolonnen und traten blockweise an. Jetzt hieß es: ,, Stehen". Stehen, bis der Flücht­ling eingefangen worden war. Das konnte lange dauern. 5 Stunden, 10 Stunden, anschließend vielleicht die ganze Nacht.

Das Lager war niemals gut auf einen Flüchtling zu sprechen. Die meisten von ihnen wurden wieder eingefangen. Wegen einer solchen sinnlosen ,, Selbsthilfe" mußten Tausende leiden, starben hinterher noch viele an den Strapazen des Stehens. Die SS war mit Hunden und Knüppeln unterwegs, den Flüchtling zu suchen. Wir standen. Es wurde Mittag. Der Hunger kam. Wir vertraten uns die Füße. Zum Glück regnete es nicht. Träg krochen die Viertelstunden dahin. Die Zeiger an der Turmuhr des Tores schienen stillzustehen. Ewig währte es, bis eine Stunde vergangen. Wir wurden müd und matt. Immer noch war es Mittag. Wenn es nur erst Nachmittag wäre. Vielleicht finden sie ihn bald? Vielleicht lassen sie uns am Abend abrücken, und wir brauchen in der Nacht nicht zu stehen?... Einer lehnt sich an den anderen. Man stützt sich gegenseitig. Mancher setzt sich heimlich zwischen seinen stehenden Kameraden nieder. Der Blockälteste ,, sieht" es nicht. Aber der Warnruf: ,, Achtzehn!" scheucht alles wieder hoch. Ein Schar­führer geht durch die Blocks und kontrolliert. Sie stehen ausgerichtet auf Vordermann und Seitenrichtung. Tadellos. Wir grinsen innerlich vor Schadenfreude, daß er ,, unverrichteter Dinge" wieder abzittern muß nach der Blockführerstube. Wir sind wieder allein und stehen. Wie spät ist es? Kaum 5 Minuten ist es her, daß man auf die Uhr ge­sehen hat, es scheinen Stunden zu sein. Dort macht einer schlapp. Er taumelt nach vorn und wird aufgefangen. Mit eingebogenen Knien hängt er zwischen den haltenden Armen der Kameraden. Man ver­sucht, ihn aufzurichten. Doch die Beine versagen, sie knicken immer wieder ein. So legt man ihn denn neben den stehenden Block. Schiebt ihm noch eine zusammengeknüllte Jacke als Kopfkissen unter. Einer hat ihm das Hemd geöffnet und ihm Luft verschafft. Seine Nase wird spitz und wachsbleich das Gesicht. Er atmet stoßweise. ,, Der geht kaputt", meinen die Erfahreneren. Wir stehen. Wieder hat sich eine Stunde träge davongeschleppt. Wir stehen... Jetzt sind es schon mehrere, die schlapp gemacht haben. Auch die Kräftigsten spüren es

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