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"Häftling ... X ... in der Hölle auf Erden!" / Udo Dietmar
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sie erfahren mußten, daß der Gesuchte, den sie am Leben zu finden glaubten, zu der großen Masse der von der SS Gemordeten zählte,

Ergreifend waren die Szenen, wenn sich liebe Angehörige nach jahrelanger Trennung wieder gegenüberstanden, sich umhalsten, küßten und Trären der Wiedersehensfreude über ihre Wangen liefen.

Alliierte Truppen wechselten tagtäglich als Besucher, um sich von den Grau- samkeiten des Konzentrationslagers Buchenwald zu überzeugen. Regierungs- abordnungen der Großmächte, Delegierte von Ausschüssen sowie Verbindungs; offiziere jener Länder nahmen Kenntnis von den grauenhaften Auswirkungen der nationalsozialistischen Barbarei in Buchenwald . Journalisten, Presse-Photo- graphen und Rundfunk-Reporter der alliierten Länder besichtigten eingehend das Lager, und mancher ehemalige Häftling schilderte ihnen in sachlichen-und nüchternen Worten Erlebtes aus seiner Leidenszeit.

So vergingen die ersten Wochen.

Und morgen war der 1. Mai. Der große Feiertag der werktätigen Massen der ganzen Welt stand vor der Tür.

Vorbereitungen waren getroffen. Die einzelnen Blocks wurden mit viel Grün und Transparenten in leuchtendem Rot festlich geschmückt, auf denen die Parolen des draußen auf uns wartenden Kampfes zu lesen waren. Jede Nation hatte sich Mühe gegeben, ihre Unterkunft, auf deren Dach ihre National- flagge wehte, von innen und außen so würdig wie möglich zu gestalten.

Die Russen hatten darin die Spitze geritten. Ihre Blocks waren fast alle mit Lichttransparenten, die Porträts von Lenin und Stalin darstellten, prächtig geschmückt. Der weite Appellplag, auf dem eine riesige provisorische Redner- tribüne aufgebaut stand, war mit den Fahnen aller Nationen umsäumt, außer der deutschen, denn das eben geborene neue Deutschland besaß noch kein neues Symbol.

Im Hintergrund der Tribüne bildete ein großes hochgestelltes Rechteck, das wie eine breite Säule anmutete, den Abschluß. Auf ihm leuchteten, von oben nach unten ineinanderlaufend, die Flaggen der drei großen Verbündeten mit Transparenten von Roosevelt , Stalin und Churchill .

So war alles festlich gerichtet für den morgigen Tag.

Fine herbe Kühle herrschte am Morgen. In der Nacht hatte es sogar erwas gefroren, stellte ich beim Erwachen fest,

Heute war also der 1. Mai.

Ich mußte daran denken, wie die Nazis den Werktätigen diesen Feiertag gestohlen hatten und ihn aus rein psychologischen Gründen zum National- feiertag stempelten. Dies geschah, um den arbeitenden Menschen zu blenden, um ihren Egoismus, der sich hinter all ihren Machenschaften barg, zu tarnen.

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