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"Häftling ... X ... in der Hölle auf Erden!" / Udo Dietmar
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Konzentrationslagerlebens unwichtig war, ist mir entfallen. Er war über fünfzig Jahre alt, von Beruf technischer Kaufmann und stammte aus Dort­ mund . In jungen Jahren hatte er dás Technikum besucht und sein Ingenieur­examen abgelegt. Sein Beruf brachte ihn mit den werktätigen Schichten in engste Berührung. Die soziale Not der arbeitenden Massen appellierte schon früh an sein Gerechtigkeitsempfinden, was ihn bewog, in die Freie Gewerk­schaft einzutreten, um so für den sozialen Fortschritt mitzukämpfen. Er hatte den Weltkrieg 1914/18 mitgemacht und war dreimal verwundet. Die Zeit nach dem Kriege sah ihn in der antifaschistischen Front.

Im Jahre 1933 steckten ihn die Nazis auf Grund politischer Äußerungen ins Gefängnis. Seine Frau, mit der er fast zwanzig Jahre verheiratet war, lieẞ sich auf Betreiben der ,, Braunen Nazi- Schwestern" von ihm scheiden. Nach der Entlassung aus dem Gefängnis lernte er in der Familie eines westfälischen Bergmanns die Tochter des Hauses kennen und verlobte sich mit ihr. Seine politische Einstellung gegen den Nationalsozialismus war noch stärker geworden, und die immer zunehmenden Ungerechtigkeiten brachten seine Kämpfernatur in Aufruhr. Er brandmarkte den Nazismus, wo und wie er nur konnte. Die Gestapo war auf dem Wege, ihn zu verhaften. Er wurde aber rechtzeitig durch Gesinnungsgenossen gewarnt, so daß es ihm gelang, im letzten Augenblick nach Frankreich zu emigrieren. Von Frankreich aus schlich er sich oft über die Grenze nach Deutschland zurück, um durch Ver­breiten illegaler Schriften den Nazismus weiter zu bekämpfen. Die Gestapo wurde aber auf ihn besonders aufmerksam, und er mußte sich weiter in Frankreich versteckt halten.

Als der Nazismus 1940 in Frankreich einfiel, hatte auch für ihn die letzte Stunde der Freiheit geschlagen. Da er sich seiner Verhaftung durch die Flucht entziehen wollte, wurde er von mehreren Kugeln der Gestapo daran gehindert. Ein Geschoß blieb in der Schädeldecke stecken. In diesem Zu­stand wurde er in ein Gefängnislazarett gebracht. Ein bekannter französischer Chirurg nahm sich seiner an und führte die gefährliche Operation glücklich durch. Er blieb dem Leben erhalten.

Zwei Jahre wurde er durch verschiedene Gefängnisse in Frankreich ge­schleppt, bis man ihn endlich, abgemagert und entkräftet, nach Deutschland ins Konzentrationslager, das berüchtigte Vernichtungslager Flossenbürg , brachte. Hier wurde er sofort in die damals noch bestehende ,, SK", das heißt Strafkompanie, gesteckt, die täglich grausame Torturen über sich ergehen lassen mußte.

Diese Strafkompanie rekrutierte sich aus sogenannten ,, hartnäckigen" Häft­lingen, die sich erlaubten, dem brutalen SS- Terror gegenüber irgendein passives Verhalten an den Tag zu legen. Wer damals aus solcher Straf­kompanie noch lebend herauskam, der hatte, wie man sagt, Glück gehabt. Wer nicht eine einigermaßen starke Natur besaß, der starb schon in den ersten Tagen, abgesehen von denen, die totgeschlagen wurden. Irgendwie ist es den Kameraden, die als Funktionäre im Lager eingesetzt waren, doch gelungen, meinen Freund aus der SK herauszuholen und ihn

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