Zwei Tage später befanden wir uns ausgehungert und vollkommen erschöpft, um hundert Mann und mehr reduziert, auf der Straße von Weimar nach Buchenwald .
Wir waren nur ein Teil jener Häftlingsmasse, die sich von den Außenkommandos aus allen Gegenden Thüringens zu gleicher Zeit konzentrisch nach Buchenwald bewegte.
Hin und wieder begegneten uns SS - Fahrzeuge, vollgepackt mit allem möglichen, ein Beweis bevorstehender Flucht. Das streckenweise neben unserem Wege herlaufende Anschlußgleis Weimar- Buchenwald war rostig, ein Zeichen dafür, daß es schon mehrere Tage nicht befahren war. Nirgendwo sahen wir Häftlinge.
Die bangen, oftmals wiederholten Fragen:
Ist Buchenwald schon evakuiert oder nicht?
Leben unsere Kameraden noch, oder hat man sie schon liquidiert? Was geschieht mit uns?
Stehen nicht irgendwo in der Nähe des Lagers im Walde versteckt Maschinengewehre mit SS - Mördern besetzt, die uns aus dem Hinterhalt restlos niedermachen werden? beschäftigten uns in einem fort.
In dieses geflüsterte Gespräch vertieft, hatten wir gar nicht bemerkt, daß noch einer von uns liegen blieb. Im selben Augenblick krachte, auch schon ein Schuß, und der Kamerad, der es fertiggebracht hatte, sich bis hierhin zu schleppen, wurde kurz vor dem Ziel, wo er sicher noch Hilfe erhofft hatte, abgeknallt. Er war aber erst der Vorletzte. Den Letzten ereilte das Schicksal noch dreihundert Meter vor dem Schlagbaum, der die Straße zwischen dem Lagerbereich und der übrigen Umwelt trennte.-
Beim Einmarsch in den Lagerbereich war auf den ersten Blick zu erkennen, daß alle hier befindlichen Arbeitsbetriebe still gelegt waren. Nicht ein Häftling war zu sehen, was uns geradezu unheimlich anmutete.
Vor dem Lagertor, angekommen, hörten wir aus dem Lautsprecher an die Lagerinsassen gerichtete SS- Befehle. Im Lager selbst herrschte noch Leben, was uns sehr beruhigte. Offenbar war wohl über unser aller Schicksal noch nicht das letzte Wort gesprochen, der Vernichtungsbefehl noch nicht ausgegeben worden.
Die Tore öffneten sich, wir marschierten ins Lager ein. Unsere Kameraden taten alles, was nur in ihren Kräften stand, um unsere Not zu lindern
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Das erste, was mir in Buchenwald ein alter Freund erzählte, war, daß wenige Tage vorher über vierzig Kameraden, ausnahmslos hervorragende Lagerfunktionäre und alte antifaschistische Kämpfer, ans Tor kommandiert wurden und diesen Befehl nicht ausführten.
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