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"Häftling ... X ... in der Hölle auf Erden!" / Udo Dietmar
Entstehung
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entdecken waren, stand fest, daß die Todesgarben nicht uns, sondern tat­sächlich einem in dem benachbarten Waldstück versteckten Trupp Volkssturm gegolten hatten, bei dem es auch einige Tote gab. Daraus schlossen wir, daß uns die Flieger trotz unserer nur durch Farbstreifen kenntlich gemachten Zivilkleidung als Häftlinge erkannt hatten, was sich später auch als richtig erwies. Entgegen dem SS - Befehl gaben wir daher flüsternd die Parole durch, bei allen kommenden Tiefangriffen weiterzumarschieren oder stehenzubleiben, jedenfalls aber nicht mehr in Deckung zu laufen.

Das erwies sich taktisch als richtig, denn wir wurden auch in späteren Tagen nicht angegriffen, im Gegenteil, das Angriffsziel, an welchem wir zufällig vorbeimarschierten, wurde vor dem Beschuß mehrmals überflogen, um uns erst vorbeizulassen.

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Das war die oft bewiesene faire Kampfweise der alliierten Piloten im Gegen­satz zu den vom Mordgeist beseelten ,, Nazifliegern", die bei ihren Raub- und Eroberungszügen im Ausland in unzähligen Fällen in die zurückflutende wehrlose Zivilbevölkerung hineinfeuerten und ihre Bomben fallen ließen, gleichviel ob es sich um Gesunde, Kranke oder Gefangene handelte. Nachdem wir uns wieder formiert hatten, ging es weiter. Hier und da begegnete uns ein Trupp Volkssturm , zum Teil Kinder noch im Alter von sechzehn, siebzehn Jahren. Manche darunter waren so schmächtig, daß sie wie zwölfjährige Knaben anmuteten. Sie wurden von einem älteren aktiven Unteroffizier angeführt, trugen Panzerfäuste und sollten wohl an irgendeiner Stelle zur ,, Verteidigung" eingesetzt werden. Als sie an unserem langen Zug vorbeimarschierten, schauten sie uns teils hilflos, teils mitleidsvoll an; nur wenige gab es darunter, die uns verächtlich musterten. Der Unter­offizier mußte diese widerstreitenden Empfindungen unter seinen Leuten wohl wahrgenommen haben, denn er befahl mit schriller Stimme: Singen!, worauf die jungen Burschen mit schüchternen Stimmen ein Lied begannen, in dem von blutbedeckter Fahne und einem blanken Degen die Rede war. Mir taten die Jungen leid, und ein heiliger Zorn erfaßte mich bei dem Ge danken, daß die Bestie, dieser Bluthund Hitler , seinem Wahn auch noch diese halben Kinder gewissenlos dahinopferte.

Neun Uhr abends. Immer noch marschierten wir.

Einer von uns machte den SS - Führer darauf aufmerksam, daß wir noch nichts im Leibe hätten und ruhen müßten, da sonst die meisten schlapp machen und nicht mehr die Kraft aufbringen würden, am nächsten Tag weiterzu­marschieren.

Eine Stunde noch, und wir wären in der Nähe von Salzungen , dort würde übernachtet, war die Antwort.

Wir passierten jetzt einen kleinen Ort, vollgepfropft mit deutschem Militär. In den Haus- und Hoftüren standen Soldaten, die unseren Zug mit ge­mischten Gefühlen und Empfindungen betrachteten. Etliche brachten den Mut auf, uns einen freundlichen Blick, ein aufmunterndes Wort zu gönnen. Unser Weg führte dann an der Werra entlang, unter deren Brücken bereits Sprengladungen angebracht waren. Durch andere Abwehrmaßnahmen mußten

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