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"Häftling ... X ... in der Hölle auf Erden!" / Udo Dietmar
Entstehung
Seite
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Auf dem fast völlig leeren Zechenplat; stand schon eine Gruppe von Häft- lingen. Von monatelanger Untertagearbeit waren ihre hohlwangigen Gesichter wächsernbleich geworden. Aus den tiefliegenden Augen flackerte noch immer die Angst vor dem Ungewissen, stierte der ewige Hunger. Doch konnte man heute in ihren Zügen einen neuen Ausdruck finden, ein Gemisch seelischer Gefühle, schwankend zwischen neuer Hoffnung und altgewxhnter Resignation Sie waren soeben aus dem dunklen Schacht heraufbefördert worden, um, in Reih und Glied angetreten, auf den nächsten Schub aus der Grube zu warten. Alle paar Minuten verließ ein neuer Trupp den Förderkorb und schloß sich ihnen an. Bald war auch der letzte Mann oben.

Alles mußte schnell gehen, denn die alliierten Truppen konnten stündlich durchbrechen und hier sein.

Der Lagerälteste kam auf mich zugestürmt und bat mjch, das ganze Kom- mando noch einmal schnell durchzuzählen, denn die SS verlangte Stärke- meldung.

Es stimmte bisı auf drei.

Die SS empört:Wer sind die Drei?;

Die Feststellung der Personalien wurde in fieberhafter Eile getroffen. Irgend jemand aus der Reihe bemerkte, daß er die Fehlenden noch vor einer Stunde im Schacht gesehen hätte.

Wir waren uns klar darüber, daß die Drei bei dem Durcheinander unten flüchtig geworden waren und einen anderen Ausweg aus dem Stollen zu finden hofften.

Man schwieg.

Der SS -Führer war für einen Augenblick unschlüssig. Da aber die Zeit drängte, entschied er sich ziemlich schnell und sagte, seinen Unterführern zugewandt:

Laßt sie unten. Wenn sie glauben, so entwischen zu können, dann haben sie Pech gehabt, denn sänıtliche Schächte werden gleich mit Dynamit ge sprengt, und dann verrecken sie da unten doch wie die Ratten!

Damit war dieser Fall erledigt.

Wir sahen noch einige Zechenarbeiter in aller Hast die Vorbereitungen zur Sprengung treffen. Ueber uns kurvte ein Tiefflieger, der eine in einem Wald abschnitt gesichtete Volkssturmabteilung mit seinen MG-Garben beharkte. Der SS -Führer ließ dann sämtliche Funktionäre des Kommandos beiseite treten und gab ihnen in aller Schärfe zu verstehen, auf dem Marsch die größte Disziplin zu bewahren, da bei der geringsten Kleinigkeit scharf ge schossen würde. Weiter gab dieser Feigling bekannt, daß bei einem even tuellen Tiefangriff auf seinen Befehl alles Deckung im Straßengraben oder nächstgelegenen Walddickicht zu nehmen hätte. Aus Humanität unseretwegen hatte er das bestimmt nicht angeordnet, ihm war es nur um sein und seiner Spießgesellen erbärmliches Leben zu tun.

Nachdem die Posten mit Gewehr im Anschlag in kurzen Abständen längs des ganzen Zuges verteilt waren, begann der Marsch nach Buche wald in Rich tung über Bad Salzungen .

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