Druckschrift 
"Häftling ... X ... in der Hölle auf Erden!" / Udo Dietmar
Entstehung
Seite
108
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In etwas lässiger Haltung ließ ich vorhin den Wortschwall über mich er- gehen, gab keine Antwort,/sondern nickte nur hier und da mit dem Kopf zur Bestätigung, daß ich die Worte verstanden hätte, denn die Zeiten, wo ich den Tod, der mein nächster Verwandter geworden war, fürchtete, waren längst vorbei. Wenn dieser vertierte SS -Führer etwa geglaubt hatte, daß sein Gerede noch irgendwelchen Eindruck auf mich ausübte, so war er borniert. Wenn er sich einbildete, daß ich mich vielleicht selbst vor Furcht zitternd wie ein Neuling daraufhin auf meine Kameraden gestürzt hätte, um ‚sie befehlsgemäß an die Arbeit zu jagen, auch dann war er im Irrtum. Allein der Druck der Disziplin, und insbesondere unser gemeinsames Wohl, waren die Triebfeder des sich unter meinem Befehl organisierenden Arbeitseinsates. Wäre diesem Menschen nur ein klein wenig psychologisches Empfinden eigen gewesen, als er zu uns sprach, so würde er uns allen vom Gesicht abgelesen haben, daß seine Worte und seine Todesdrohung keinen mehr erschütterten. Vor ihm stand eine saft- und kraftlose Masse Mensch, die man nach drei Tagen zum ersten Male mit einem Liter warmer Wassersuppe abgespeist hatte, von der man andererseits aber enorm große Leistungen verlangte, um dem Nationalsozialismus nochzum Siege zu verhelfen. Dazu noch zu einer Zeit, wo amerikanische Artillerie schon Duisburg und Wiesbaden beschoß, und Ostpreußen und ein großer Teil Oberschlesiens bereits von den Russen besett war. Ich schwieg daher und gab, bis aufs Aeußerste verbittert, meine Befehle. Meine Kameraden gehorchten mir, und die Arbeit nahm, so gut es eben ging, ihren Anlauf.

Nachdem sich der SS -Führer entfernt hatte, um einen anderen Arbeits- abschnitt zu inspizieren, befand ich mich mit dem OT-Meister einen Augen- blick allein. Ich versuchte, mit ihm ein Gespräch anzuknüpfen, um festzu- stellen, wes Geistes Kind er sei. Ich streckte wie man zu sagen pflegt meine Fühler vorsichtig aus und wußte auch bald hundertprozentig, wen ıch vor mir hatte. Er war als OT-Meister schon in Rußland tätig gewesen und hatte die unter der Fron des Nationalsozialismus dort schaffenden Russen seine Knute oft genug fühlen lassen. Er war einer jener Idioten, die auch jet noch an den Sieg des Nationalsozialismus glaubten. Ich mußte daher eine vorsichtige Taktik anwenden, wenn ich hier zwischen der verlangten Leistung und der Kraftlgsigkeit meiner Kameraden einen Ausweg finden wollte. Von vornherein war mir klar, daß ich mit jenem Menschen in dieser Hinsicht noch schwere Differenzen haben würde, was sich späterhin in vielen Fällen auch erwies.

Nach drei Stunden fing es schon an.

Der erste Zug Loren, vollbeladen mit Salz, war schon gekippt und rollte zur Arbeitsstelle zurück, um neu gefüllt zu werden. Ich ging, nach dem Rechten zu sehen. Erteilte da und dort praktische Ratschläge, um einen Arbeits- vorgang organischer zu gestalten und so meinen Kameraden die mühsame Arbeit erleichtern zu helfen, munterte hin und wieder.den einen oder anderen auf, wenn er tiefsinnig vor sich hinstarrte, oder schlichtete auch einen kleinen Streit, der sich aus einem Wortwechsel zwischen Kameraden verschiedener

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