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"Häftling ... X ... in der Hölle auf Erden!" / Udo Dietmar
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Kannst du, Leser dieses Buches, dir vorstellen, was in jedem von uns reifte, die wir dem gleichen Schicksal ausgeliefert waren und ohnmächtig dem allen zusehen mußten?

Das Konzentrationslager Natweiler war zugleich, wie schon erwähnt, eine Hinrichtungsstätte für die Opfer der Gestapo .

Der, über den die Gestapo das Todesurteil gefällt hatte, wurde nach Nag- weiler hinaufgeschaflt und hier oben liquidiert.

Die Opfer, die gehenkt werden sollten, wurden ins Krematorium gebracht und dort das Todesurteil vollstreckt. Bei denen, die zum Toderdes Erschießens verurteilt waren, wurde das Urteil in der einige hundert Meter vom Lager entfernten, aber noch im Lagerbereich selbst befindlichen Kiesgrube voll- zogen.

Diese Kiesgrube hat eine grauenhafte Geschichte. Hier sind ungezählte Menschen einzeln oder in Massen von der SS erschossen worden. Wie das Erschießen vor sich ging, hat niemand außer der SS gesehen, aber die Er- schossenen wurden von uns Häftlingen zum Verbrennen ins Krematorium

‚gebracht. Wir konnten daher die Schußwunden eingehend betrachten. Sie

waren so verschieden, daß wir daraus klar und deutlich feststellen konnten, daß die Schützen aus dem Hinterhalt, auf das herannahende Opfer lauernd, feuerten.

Mir ist da noch ein Tag in Erinnerung, an dem auch ich kommandiert war, die Leichen der Eıschossenen ins Krematorium hinunterzuschaften.

Es war am Heiligen Abend. Der Schnee lag schon wochenlang im Lager, und seit einigen Tagen hatten wir Neuschnee. An diesem Tage brauchten wir ausnahmsweise nur bis vier Uhr zu arbeiten. Nicht weil Heiligabend war, und man uns etwas zugute tun wollte, nein, wir waren ja keine Men- schen, sondern darum, damit die SS -Urlauber noch rechtzeitig ihren Weih- nachtsurlaub antreten und mit ihren Angehörigen ihrJulfest unser Weihnachten feiern konnten.

Es dämmerte schon. Die Vogesenlandschaft war prächtig in ihrem Winter- kleid. Tannen- und Fichtenwälder boten einen herrlichen Anblick und zauberten eine richtige Weihnachtsstimmung hervor.

Bei den meisten von uns war jedoch jegliches Empfinden erloschen. Ab- gestumpft waren die Herzen von der furchtbaren Not der Gegenwart, keinen Raum hatten sie mehr für weichere Regungen.

Und doch hatte der eine oder andere am Nachmittag von seiner Arbeits- stelle, sofern diese am Waldrand lag, ein kleines Tannenreis, heimlich ab- gerissen, unter seinem Rock versteckt ins Lager hineingeschmuggelt und in seinem Block irgendwo verstohlen angebracht, um seinen Kameraden damit eine kleine Freude zu machen.

Es mußten wohl draußen in der Welt noch Menschen leben, die heute Weihnachten feierten.

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