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"Häftling ... X ... in der Hölle auf Erden!" / Udo Dietmar
Entstehung
Seite
33
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SS gerufen wurden, nur mit einer roten Lampe den nächtlichen Plat betreten durften. So in Gedanken mit allem beschäftigt, sah ich den jungen Polen noch einmal vor mir, der vorhin aufgehängt worden war, sah noch einmal seine verstörten Züge, den entsegten Blick seiner Augen, als er uns von der 5S geholt verließ, um nicht wiederzukehren. Man hatte mir gesagt, daß seine Leiche morgen früh zusammen mit anderen ins Krematorium gebracht werden solle, welches sich damals noch außerhalb des Lagers bei dem sogenannten Strut- hof befand. Das war ein ehemaliger Gutshof einige hundert Meter unterhalb des Lagers, wo die meisten SS-Unterführer ihre Quartiere hatten. Armes Opfer, unglücklicher Kamerad! Ob er. auch noch eine Mutter hatte, die sich um ihn sorgte und bangte, eine Braut oder Frau, die seiner in schmerzlicher Liebe und Sehnsucht gedachte? Ich wußte es nicht. Ich wußte nur, daß dieser Mensch das Leben so lieb hatte wie ich, daß er sich nach seiner Heimat sehnte, und. daß er den Nationalsozialismus, der ihm alles geraubt hatte, was ihm lieb war, haßte wie das Gift. Der Tod durch den Strick, den dieser Verdunkelungssünder erleiden mußte, war selbst unter strengster Berücksichtigung kriegsbedingter Notwendigkeiten bei rein objek- tiver Beurteilung ein Verbrechen, Mord an einem wehrlosen Menschen. Geschehen im Konzentrationslager Natweiler durch die Waffen-SS im Auf- trage der Gestapo. Dieser Mord war der erste bittere Geschmack, den ich von der Waffen-SS im Konzentrationslager bekam. Damals ahnte ich nicht, was ich selbst noch alles erleben sollte, und es war gut so. Der Schlaf floh mich noch immer, die Gedanken arbeiteten. Von weit her hallten Zurufe ‚von Männerstimmen, irgend jemand lachte. Es waren SS- Posten, die um das nächtliche Konzentrationslager herum Wache standen. Sie, mit ihrem Totenkopf an Mütße und Rockaufschlägen, lachten, und drin- nen im Lager hockte das Grauen ‚wie ein Gespenst auf allen. Ich, der ich von meinen Eltern christlich erzogen worden bin, dem Nächstenliebe ein ehernes Gebot, dem Freiheit: und das Recht auf Freiheit eine Verkörperung seiner selbst waren, ich, der in seinem bisherigen kurzen Leben schon manche harte Schule durchlaufen, Höhen und Tiefen kennengelernt hatte, konnte mit all diesen Fragen, die in dieser Nacht an mich herantraten, nicht fertig werden. Der Verstand vermochte das alles im. Augenblick nicht zu'bewäl- tigen.| Durch den schmalen Fensterstreifen sah ich über mir den Sternenhimmel blinken, erkannte einige Sternbilder und dachte: Diese Kraft, die die Sterne in ihren ewigen Bahnen lenkt, die uns unsere Lebensgesege vorschreibt, diese Macht, die sichtbar die höchsten Gedanken in Reinheit und Klarheit verkörpert, kann nicht zulassen, daß Recht Unrecht, und Unrecht Recht werden soll. Ich'rechtete mit, mir selbst, stellte Vergleiche an, suchte zu ergründen, was mir unklar erschien im menschlichen Dasein, rang um eine Erlösung aus der seelischen Spannung des heutigen Tages,. Keine befriedigende Antwort, denn ich hatte die Reife nicht.

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