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"Häftling ... X ... in der Hölle auf Erden!" / Udo Dietmar
Entstehung
Seite
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Zeit in Freiheit gesettt wurden, nicht aus Humanität, sondern um der Propa- ganda willen, damit die Welt erfahre, daß auch Häftlinge aus den Konzen- trationslagern entlassen würden. Die Entlassenen waren bei Androhung der Todesstrafe zum Schweigen verpflichtet.

Wir fuhren den Teufelsberg hinauf....

Immer stärker brummte der Motor, mühsam kurvte der Wagen nach oben. Auf scharfen Serpentinen wurden wir hin- und hergeschleudert. Mit einem Mal hielt das Auto. Der SS-Fahrer und seine Begleiter wechselten mit je- mandem einige kurze Worte, und wir konnten heraushören, daß es sich hier um einen Kontrollposten handelte, der nach Befragen der SS -Begleiter und Besichtigung des Fahrzeuges den Wagen passieren ließ, In der Tat fuhren wir durch die große Postenkette, die in weitem Umkreis das Larer um- schloß und isolierte. Später, als Häftling, sah ich oft die großen weißen Ta- fein, auf die ein Totenkopf gemalt und auf denen zu lesen war:Achtung! Lagerbereich! Betreten bei Lebensgefahr verboten! Es wird ohne Anruf scharf geschossen! Photographieren verboten!

Diese Stelle hatten wir nun passiert. Der Wagen rollte weiter, um bald end- gültig. zu halten. Wir hörten scharfe Kommandos, das Schnappen von Gewehrschlössern, noch einige Kommandos, dann Tritte im groben knirschen- den ‚Sand.\

Eine Stimme wurde laut, die sich offenbar an den SS-Transportführer wandte:

Wieviel Vögel hast Du mitgebracht?

Siebenundzwanzig!

lür auf!

Unsere Tür wurde aufgerissen mit dem Ruf:

Hoffentlich seid ihr bald draußen, ihr Sauhunde!

Der erste an der Tür sprang heraus, der zweite folgte, der dritte, immer schneller die nächsten. Mein Vordermann, ein altersschwacher Franzose,

der rechts eine Beinprothese trug und deshalb nicht so schnell vorwärts konnte, wurde durch eine SS-Faust von draußen her am Kragen seines

Jacketts gefaßt und mit den Worten:

Hoffentlich kommst Du bald, Du Vogel! mit aller Wucht aus dem Wagen

gerissen, so daß der alte Mahn mit dem Gesicht auf den Boden schlug und

bewußtlos liegenblieb. Ich selbst stürzte aus dem Wagen heraus, um mich in Reih und Glied aufzu- stellen, wo schon die anderen waren. Vorher wollte ich aber doch noch den alten Mann aufrichten und ihm helfen. Ein Tritt ins Gesäß mit den Worten:

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