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"Häftling ... X ... in der Hölle auf Erden!" / Udo Dietmar
Entstehung
Seite
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vorher ein paar Zigaretten heimlich zugeworfen. Sie waren schon stark zer- knüllt. Ich formte sie wieder etwas zurecht, und dann rauchten wir in zwei Partien zu je fünf Mann eine Zigarette. Für einige Minuten waren unser Hunger, unsere Schwäche, unser ganzes Elend vergessen.

Angeregt durch den Tabakgenuß, wurde der eine oder andere mitteilsamer. Es kam langsam eine Unterhaltung in Fluß, wobei ein geradebrechtes Deutsch der Gedankenvermittler wurde, und ich als Deutscher und Landes- kundiger den Hauptteil der Unterhaltung tragen mußte,

Die russischen Kameraden überstürmten mich:

Was ist los?

Wohin jegt fahren?

Was ist?

Was soll bedeuten?

Wohin wir fahren, wir Rußki?

Die Franzosen fragten ebenso, auch die Polen . Was sollte ich ihnen ant- worten?

Ich weiß es nicht!

Man fragte mich wieder:

Wohin Du fahren?

Ins Konzentrationslager, sagte ich.

Diese Antwort drückte sie alle nieder, und ich hörte aus ihren Unter- haltungen heraus, daß sie befürchteten, auch ins Konzentrationslager ge- bracht zu werden. Sie konnten sich allerdings nicht erklären, warum, denn sie wußten keinen Grund. Jedenfalls wollten sie mehr wissen und stellten weitere Fragen.

Als ich ihnen sagte, daß ich Deutscher sei, daß ich aberanders dächte und fühlte wie die Nationalsozialisten, mich dieser Weltanschauung aus Über- zeugung nicht beugen könne und darum aus sogenanntenReichssicherheits- gründen ins Konzentrationslager gebracht werden solle; als ich ihnen all dies mühsam gestümpert in ihrer Muttersprache verständlich machte, wurden sie zutraulicher und sahen in mir den Leidensgenossen, den Kameraden.

Mit den paar deutschen Brocken, die sie beherrschten, erzählten sie von ihrem Schicksal, wobei sie zum Ausdruck brachten, daß sie mir das nicht ge- sagt hätten, wenn ich nur so ein Deutscher, ein Nemtschi, wäre, denn dazu wäre ihr Haß gegen alles, was deutsch heißt, zu groß.

Ich versuchte, ihnen ein objektives Bild über die Begriffe deutsch und nationalsozialistisch zu geben, versucht® ihren Haß zu mildern und erklärte, daß es viele Deutsche gäbe, die ebenso dächten wie ıch und darum keine Nationalsozialisten wären. Als ich ihnen schließlich erklärte, daß ich schon drei Jahre Uebergangslager mit viel hartem und schwerem Erleben hinter mir hätte, da wurden sie still und nachdenklich.

Ach, ich glaubte schon viel erlebt zu haben an Qual und Leid, aber alles

bisherige sollte doch nur ein Vorspiel sein von dem, was mir noch bevor- stand.?

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ihr: der Als Fre

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