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"Häftling ... X ... in der Hölle auf Erden!" / Udo Dietmar
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allen Fasern meines Herzens lieb hatte. Ich denke an meinen Bruder, der irgendwo in die Maschinerie des Militarismus gepreßt, einen ihm aufge- zwungenen Dienst ausübt. Ich denke an meinen Freund und danke dem Zufall, daß wir uns vor einigen Wochen noch einmal sehen und aufs neue geloben durften, jett und in aller Zukunft für die Wahrheit, Gerechtigkeit und Freiheit zu kämpfen und nicht müde zu werden. Ich denke an alle meine lieben Freunde und Bekannten und bin wieder dankbar für ihre Liebe und Güte, die sie mir erwiesen haben. Ich denke an mein Schicksal, das mich bis heute diesen Weg gehen ließ und frage mich wie so oft, warum?

Ich erwachte aus meinen Träumen, hob den Kopf, betrachtete die Gesichter der Kameraden. Aus ihren Zügen sprach gleiches oder ähnliches Empfinden. Der Regen hatte aufgehört. Der Bahnsteig füllte sich mit Reisenden, die wohl auch auf den Zug warteten, an dem unsere Gefangenentransportwagen angehängt sein würden. Mit neugierig verstohlenen Blicken wurden wir ge- mustert. Rechts von mir in einiger Entfernung ging eine jüngere Frau, gut gekleidet, mit einem etwa sechsjährigen Buben an der Hand, auf und ab. in ihrem Gesicht hatte schon das Leid Spuren hinterlassen. Als ich den Knaben betrachtete, dachte ich: So könnte dein Bub auch schon sein. Da hörte ich den Kleinen fragen:‚Mutti, sind das alles Verbrecher?

In diesem Augenblick brauste der Zug in die Halle. Wir mußten kehrt- machen und noch ein Stück weiter nach hinten marschieren, wo einige Polizei- beamte aus dem vergitterten Gefangenentransportwagen ausstiegen und uns erwarteten. Im Gänsemarsch ging es, weil jeder gezählt wurde, in den Wagen hinein, in dem sich links und rechts eine Reihe vergitterter Zellen befanden, die zum Teil schon mit Gefangenen von früheren Stationen gefüllt waren. Wir wurden in die kleinen Zellen, die regulär für zwei beziehungsweise vier Mann gedacht waren, mit fünf und zehn Mann hineingepreßt. In diesem Raum von 1X%1,50 Quadratmeter mit zehn Mann eine unbestimmte längere Zeit verbringen zu müssen, war an und für sich schon eine Qual, aber uns hatte außerdem der Hunger bereits so geschwächt, daß wir kaum noch stehen konnten!

Je&t setzte sich der Zug in Bewegung, und eingepfercht rollten wir einem unbekannten Ziel entgegen. Durch die kleinen schmalen vergitterten Fenster- chen konnten wir nach etwa einer halben Stunde feststellen, daß die Fahrt nach Westen ging.

Mit meinen Mitgefangenen, von deren Schicksal ich nichts anderes wußte, als daß sie mit mir in diesem kleinen Raum gefangen waren, wurde ich nun näher bekannt. Es waren drei Franzosen, vier Russen, zwei Polen . Durch die dünnen Zellenwände hörte ich, daß sich links und rechts von uns auch Deutsche befanden.! Unvermitielt sagte der Russe neben mir zu seinem Landsmann:Gib mir was zu rauchen! Der andere hatte nichts. Ja, rauchen! Das wollten wir alle gern. Allgemein verstand man, um was es sich handelte. Man kramte in den Taschen herum, um vielleicht doch noch einen Tabakskrümel heraus- kraten zu können. Auch ich suchte, denn ein Zivilarbeiter hatte mir kurz

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