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Sadismus oder Wahnsinn : Erlebnisse in den deutschen Konzentrationslagern im Osten / Jeanette Wolff
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Scharführern am Abend sehr viel getrunken, bis sich alle total betrunken in Uniform und Stiefeln auf die Betten ge­worfen hatten. Nur der Hauptscharführer hatte noch vorher die Stiefel ausgezogen. Neben seinen Füßen lag, wie immer, sein kleiner weißer Hund. Sei es nun, daß er sich bewegt und den Hund getreten hatte, kurzum, das Vieh biß ihn in den Fuß. Be­trunken wie er war, glaubte er sich überfallen, riß die Pistole heraus und schoß seinem Adjutanten durch den Stiefel. Der, auch aus seinem kurzen Rauschschlaf aufgeschreckt, schoẞ wieder, und schon war die Wache alarmiert und der Parti­sanenkampf ohne einen einzigen Partisanen bis zum letzten. Schuß durchgeführt.

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Jeden Morgen war Zählappell, manches Mal auch Schüssel­und Deckenappell. An einem Morgen stellte man beim Decken­appell fest, daß 80 gute Decken fehlten. Der Kommandant sagte: ,, Ihr habt auf der Arbeitsstelle den Polen die Decken verkauft. Wenn innerhalb drei Tagen die Decken nicht zurück sind, werden zur Strafe 80 Weiber nach Stutthof zurück­geschickt, und ihr wißt ja, was das heißt." Die Frauen be­teuerten, daß sie die Decken nicht verkauft hätten. Einige Frauen legten sich nun während des Tages auf die Lauer, und meine Tochter fragte einige polnische Bauern, die ins Lager kamen, ob sie noch Decken kaufen wollten. Darauf bejahten sie, sagten aber, daß sie nur neue Decken nähmen, solche, wie ihnen die Wachposten verkauft hätten. Inzwischen war auch ein Posten von den Frauen beobachtet worden, wie er mor­gens während des Appells zwei Decken aus unseren Zelten holte. Wir meldeten dem Kommandanten diese Vorfälle, und er ließ daraufhin die Wachen kontrollieren, den Ertappten ver­hören, und dieser verriet auch noch neun seiner Komplicen. ,, Der Bunker muß gereinigt werden, Freiwillige vor", so hieß es beim Appell. Keiner wollte, denn alle waren müde vom Kommando gekommen. Als sie aber hörten, daß Wachposten eingesperrt werden sollten, meldeten sich alle ausnahmslos zu dieser Arbeit. Im Nu war der Bunker sauber und zehn SS - Leute eingesperrt. Diese wurden am nächsten Morgen zum Stutthof abtransportiert. Später kamen zehn andere dafür zurück.

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