Zuteilung aufs Brot zu schmieren. Eine Frau wartete auf die andere, um sich zu waschen. Als wir dann im November für jedes Zelt einen kleinen Todtofen bekamen, wurde fast jedes Zelt nach Arbeitsschluß zu einer Badestube. Die Frauen standen nackt um den Ofen herum und ließen sich trocknen, denn Handtücher waren im Lager eine Rarität und Kostbarkeit. Inzwischen kam für unsere Proviantur ein Verpflegungschef von der NSV ins Lager, ein Gasthaus- und Kinobesitzer Stahnke aus Thorn. Von ihm können wir alle nur sagen, daß er einer der anständigsten Menschen war, mit denen wir während der Häftlingszeit zu tun hatten, der auch unseren Kommandanten im guten Sinne beeinflußte.
Da wir ein Zweiglager vom Stutthof waren, wurden von dort die Befehle herausgegeben. Hätte man in Stutthof gewußt, daß nur ein Fünkchen menschliches Gefühl in unseren Kommandanten und Vorgesetzten war, sie wären mit sofortiger Wirkung abgelöst und durch SS - Bestien ersetzt worden. Der Wehrmachthauptmann, der unserem Kommandanten beigegeben war, wurde abgelöst von einem alten KZ.- Hasen, dem Sturmscharführer Wilhelm Anton. Auch er wurde von den beiden anderen zum Guten beeinflußt und war zu ertragen, gemessen an dem, was wir in anderen Lagern erlebten. Vielleicht lag es auch daran, daß wir selbst strengste Disziplin in bezug auf Sauberkeit und Ordnung hielten, um den Seuchen, die so viele Arbeitslager ausgerottet hatten, entgegenzuarbeiten. Das bitterste Kapitel in diesen Zeltlagern waren die Latrinen. Wir Frauen mußten tiefe Gruben auswerfen, etwa 150 bis 200 Meter von den Zelten entfernt. Am Rande dieser Gruben mußten wir uns hinsetzen, um unsere Notdurft zu verrichten.
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Der Winter setzte ein. Gefrorene Kartoffeln, Freibankfleisch, roh gegessene Gemüseabfälle taten das ihrige: Magen- und Darmkatarrh brachen aus, Dysenterie wurde die Lagerkrankheit; dazu kamen eitrige Wunden, Erfrierungen, Phlegmonen, Angina, Diphtherie und Scharlach. Nach Rücksprache mit dem Kommandanten wurde zu dem sogenannten Krankenzelt noch ein Zelt für ansteckende Krankheiten hinzugenommen. Alle Zelte waren natürlich den Witterungseinflüssen stark ausgesetzt. Bei Regen und Schnee lief die Feuchtigkeit durch die
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