werden, der aber viel zu engstirnig und zu energielos war, um den SS-Wachen Achtung abzunötigen.
Lettinnen und Litauerinnen, die sich mit den Wachposten ver- ständigen konnten, arbeiteten in der Proviantur. Zwischen diesen, der Wache und auch dem Kommandanten entwickelte sich eine Art Vertraulichkeit. Des öftern saßen sie an den Abenden zusammen, diese Mädel bekamen so etwas mehr zu essen als das Gros der Häftlinge.
In unserer Nähe lag ein Wehrmachtkommando, dessen Haupt- mann aus Westfalen war. Dieser kam fast täglich ins Lager und fragte, ob man uns auch anständig behandle. Von den Soldaten bekamen wir oft Brot. Sie waren immer sehr an- ständig zu uns. Es handelte sich um.Frontsoldaten, die für einige Zeit hierher in Ruhestellung gekommen waren. Alle, einschließlich der Vorgesetzten, wußten nichts von den Vor- gängen in den KZ.-Lagern. Als eines Nachts betrunkene Wachen zu den Frauen, die in der Küche schliefen, eindrangen und auch der Kommandant in betrunkenem Zustand zu- sammen mit der Wache begann, wie wild in der Küche herum- zuschießen, kamen mehrere Offiziere der Wehrmacht her- über, vertrieben die Wache, machten dem Kommandanten schwere Vorwürfe und sagten, daß sie die Sache zur Mel- dung bringen wollten. Zwei Tage später mußten wir abmar- schieren und kamen in das Waldlager Korben bei Thorn. Inzwischen herbstelte es schon, und wir fragten uns manches Mal: Wie werden wir den Winter ertragen?
Nun will ich das Lager Korben ein wenig schildern, damit die Leser das Kulturniveau dieser Zeltlager besser beurteilen können.— Zwei Pumpen, von denen meistens nur eine in Ordnung war, lieferten das Wasser für 1700 Häftlinge, die Privatwohnung der beiden Kommandanten und die Küchen. Waschvorrichtungen für die Häftlinge waren nicht vorhanden. Ergatterte ein Zelt(60 Frauen) mit Mühe einen Marmeladen- eimer, so ersetzte dieser die Wasch- und Duschräume für die 60 Frauen, und doch wusch sich jede Frau, die etwas auf sich hielt, täglich vom Kopf bis zu den Füßen mit kaltem Wasser ab. Als Krem benutzten wir einen Teil der zugeteilten Mar- garine, da uns die Hautpflege wichtiger war, als die winzige
“* al


