lange Appell stehen schrecklich. Endlich war die Qual zu Ende, wir durften in die Baracke und uns hinlegen, nachdem wir unsere Brotzuteilung und ein bißchen Margarine erhalten hatten. Nun’ kam wieder das Elend. Es war nicht Platz für alle. Man drückte und puffte sich auf dem Fußboden, eine trat der anderen mit den Füßen ins Gesicht, eine legte sich auf die andere, und an Schlaf war natürlich nicht zu denken. Kam es wirklich vor, daß man einschlief, wurde man sehr bald unsanft durch einen Stiefeltritt geweckt, auf den am Boden Liegenden wurde herumgetrampelt. Die in den Kojen zu dritt oder viert Liegenden wurden mit kaltem Wasser über- gossen, das einige Frauen eimerweise heranschleppen mußtens Auch sonst war die Nacht über in der vorderen Baracke, wo unsere Blockältesten wohnten, reges Leben. Dort gingen die ganze Nacht Männer aus und ein.
Am zweiten Abend meldete ich mich zur Nachtwache, erstens: weil ich doch nicht schlafen konnte, und zweitens:'weil es für die Nachtwache eine Sonderration Brot geben sollte. Es bewog mich noch’ ein Grund. Ich wollte das Lager richtig kennenlernen, hofften wir doch immer, es zu überleben..Wir waren ein kleiner Kreis sozialistisch denkender Frauen, die sich, so gut es ging, zusammenhielten. Wir wollten das Lager überleben, um der Nachwelt vor Augen zu führen, mit welcher Brutalität, ja Bestialität man im Dritten Reich regierte. In unserem Block waren wir nur sehr wenige deutsche Jüdinnen, von den anderen Blocks waren wir durch Stachel- draht getrennt. Es war verboten, mit den Insassen einer anderen Baracke zu sprechen, aber uns galten damals Verbote sehr wenig, und so erfuhren wir auch von den anderen KZ.s und Torflagern von den Qualen unserer Mitschwestern. Über- all war es das gleiche mit kleinen Nuancierungen. Hunger, Schläge, größenwahnsinnige Kommandanten, jüdische Kom- mandanten- und SS -Liebchen, größtenteils gezwungen, über- all Verbrecher und Dirnen als Vorarbeiter und Vorgesetzte, überall die Anrede für uns„Ihr Judensäuel” und„Ihr Mist- viecher!'.
Ein paar Worte zur Charakterisierung von Max M., dem Henker des Stutthofs.
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