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Sadismus oder Wahnsinn : Erlebnisse in den deutschen Konzentrationslagern im Osten / Jeanette Wolff
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Nun etwas zum Lager selbst. Im Mühlgraben war früher ein Fabrikgebäude der IG.- Farben, in dem Ultramarin hergestellt wurde. Alles war dort blau und dunstig. Frauen und Männer waren zwar getrennt untergebracht, jedoch war es den Frauen öfter möglich, zu den Männern zu kommen. Die Todesstrafe schreckte uns nicht. Dieses Lager war trotz des schlechten Essens noch erträglich, da die Frauen doch Gelegenheit hatten, ihre Männer zu sehen. Als der Winter mit Eis und Schnee kam, wurden wir mit dem Güterzug zur Arbeit befördert. Oft lag der Zug morgens stundenlang auf der Strecke. Abends mußten wir auch fast immer einige Stunden auf freiem Felde auf den für uns bestimmten Güterzug warten. Viele er­krankten infolge von Kälte und Nässe, jedoch durfte man erst bei über 38,5 Grad Fieber im Lager bleiben, und so, wurden viele Krankheiten so lange verschleppt, bis sie chronisch wurden. Tage der Aufregung folgten bald der trügerischen Ruhe. Unser Mühlgraben war Auffanglager für Heeresgut aus dem Osten. Waggons voll blutiger und zerrissener Heeres­bekleidung kam aus dem Felde zurück, die von uns gereinigt und wieder verarbeitet werden mußte. Die Unmenge blutiger Uniformen sagte uns, daß der Krieg mit der UdSSR . nie ge­wonnen werden konnte, trotz aller Siegesmeldungen. Unsere Herzen begannen langsam zu hoffen. Je weiter der Krieg mit der UdSSR . fortschritt, um so nervöser wurden unsere Peiniger. Nacheinander wurden die Leiter der Armeebekleidungsstellen und Werkstätten, Wehrmachtangehörige, die menschlich zu uns Häftlingen waren, abgelöst, von Pg.s, die sich im Sinne Hitlers , Goebbels' und Himmlers zu den KZ.- Häftlingen ein­stellten. Eine Kommandokontrolle jagte die andere, so daß es fast unmöglich war, sich zu der kargen KZ.- Ration noch etwas hinzu zu besorgen. Unruhe ergriff die Insassen des Lagers. Die Krankheitsfälle mehrten sich. Wer längere Zeit krank war, wurde ins Stammlager Kaiserwald gebracht, zumeist auf Nimmerwiedersehen. Zu unserem Lager gehörten noch un­gefähr 25 Kinder, die man seinerzeit bei der Aktion vom 2. November versteckt hatte. Wir alle waren glücklich über das Kinderlachen, obwohl viele von uns die eigenen Kinder verloren hatten. Eines Abends, als wir von den Kommandos

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